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Kultur
04/30/2019

Kammerschauspieler Johann Adam Oest gestorben

War 33 Jahre lang einer der wichtigsten Ensemblespieler des Burgtheaters.

von Georg Leyrer

Kammerschauspieler Johann Adam Oest ist nach langer Krankheit in Wien 72-jährig gestorben. Dies teilte das Burgtheater mit.

 Johann Adam Oest konnte alles spielen und alle wollten mit ihm spielen. Er war der liebenswürdigste Kritiker, der tiefdenkendste Humorist des Hauses, immer absolut integer, von allen geliebt. Er fehlt fürchterlich“, sagte Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann. 

Oest war seit 1986 mit einer kurzen Unterbrechung, als er 2000 bis 2002 den Mephistopheles in Peter Steins „Faust“ spielte, Ensemblemitglied des Burgtheaters. Mit Haußmann drehte der 1946 in Babenhausen in Hessen Geborene, der seine Schauspiel-Ausbildung in Hamburg absolvierte, die Filme „Herr Lehmann“ (2002), „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ (2007) und „Hotel Lux“ (2010). Auch mit Oskar Röhler („Jud Süß - Film ohne Gewissen“), Philipp Stölzl („Goethe“), Michael Riebl („Planet Ottakring“) oder zuletzt Virgil Widrich („Die Nacht der tausend Stunden“) drehte der Schauspieler, der zudem eine lange Liste an TV-Arbeiten aufzuweisen hat.

Oest spielte zunächst an Theatern in Karlsruhe, Recklinghausen, Ettlingen, am Zürcher Theater am Neumarkt, am Grillo-Theater Essen und am Schauspielhaus Bochum, ehe er mit Claus Peymann ans Burgtheater kam, wo er mit Ausnahme der Jahre 1999 bis 2002 tätig war. In dieser Zeit spielte er u.a. (gemeinsam mit Robert Hunger-Bühler) den Mephisto in Peter Steins Mammut-„Faust“, der bei der Expo in Hannover Premiere feierte und 2001 auch in Wien gezeigt wurde. Daneben war er auch immer wieder bei den Salzburger Festspielen zu sehen.

68 Rollen am Burgtheater

Am Burgtheater, wo er 68 Rollen gespielt hat, arbeitete der vielseitige Darsteller mit den markanten buschigen Augenbrauen unter anderem mit Manfred Karge, Claus Peymann, Peter Turrini, Peter Palitzsch, Paulus Manker, Michael Grüber, Thomas Langhoff, Andrea Breth, Barbara Frey, Matthias Hartmann, Roland Schimmelpfennig, Michael Thalheimer, Alvis Hermanis, Herbert Fritsch und Christian Stückl.

Zweimal wurde er für seine subtilen, hintergründigen Rollengestaltungen mit dem Nestroy-Preis für die beste Nebenrolle ausgezeichnet: 2004 für seinen pharisäerhaften TV-Journalisten Ross, der in „Die Ziege oder Wer ist Sylvia“ von Edward Albee dem Freund ein ungeheuerliches intimes Geständnis entlockt, sowie 2010 für verschiedene Rollen in „Der goldene Drache“ von Roland Schimmelpfennig. Bei der Verleihung erhielt er von Regina Fritsch eine hinreißende Laudatio („Wäre er ein Berg, wäre er der Himalaya. Wäre er Hollywood-Schauspieler, wäre er Jack Nicholson. Wäre er ein Sänger, wäre er Enrico Caruso. Wäre er ein Land, wäre er Atlantis...“) und dankte mit einer kleinen Wahlrede: „Ich bedanke mich bei meinen Wählerinnen und Wählern. Ich möchte ein Nebendarsteller für alle sein.“

Neben der Kainz Medaille der Stadt Wien (1992/93) und dem Hessischen Fernsehpreis (2005) ist der Schauspieler gemeinsam mit Astrid Thomessen auch als Bauherr ausgezeichnet worden: Ihr von Hertl.Architekten aus Holz und Beton ausgeführtes Wohnhaus in Diex am südliche Abhang der Kärntner Saualpe erhielt den Kärntner Landesbaupreis 2015. 2016 wurde er zu seinem 70. Geburtstag mit dem Berufstitel Kammerschauspieler ausgezeichnet.