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Weißes Rössl
10/12/2012

Kaiser Maximilian kam nach Fröttmaning

Kritik: Mit der Kitsch-Operette "Im weißen Rössl" begann der von Klagenfurt nach München übersiedelte Josef Köpplinger seine Intendanz im Gärtnerplatztheater.

von Werner Rosenberger

Die Bayern jubelten. Viel Applaus gab’s für die "Ösis" in den Hauptrollen und für Maximilian Schell als Kaiser. Zünftige Folklore und Blechblasmusi schon vor Vorstellungsbeginn: Man trägt Dirndl und mancher Herr Gamsbart und ist vor allem lustig und fidel, als wär das Oktoberfest noch nicht vorüber.

Ironie am Rande: Just im Zelt des Deutschen Theaters im Münchner Vorort Fröttmaning nahe der Allianz-Arena, wo Andre Heller mit seinem Pferdespektakel glücklos war, hatte Donnerstag "Im weißen Rössl", Ralph Benatzkys beschwingt-verschmitztes Singspiel von 1930, Premiere.

Josef Köpplinger, der neue Intendant des Gärtnerplatztheaters, das bis 2015 saniert wird, gab im Ausweichquartier seinen Einstand. Er zeigt jetzt auch an der Isar, was er kann, und womit er vorher u. a. schon in Klagenfurt und an der Wiener Volksoper erfolgreich war.

Mit seiner an frechen Gags reichen Inszenierung des Operettenklassikers hat er in München als Visitenkarte abgegeben, was unsere Nachbarn gern einen "Knaller" nennen.

Die Farce voller süßer Liebesgeschichten ist, je nach Blickwinkel, mit augenzwinkernder Ironie oder als böse Satire zu sehen.

Gespielt wird die Melange aus klassischer Operette, Robert-Stolz-Einlagen und jazzigen Akzenten nicht in der sirupartig verdickten 50er-Jahre-Version, sondern in der erst 2008 in Zagreb wieder aufgefundenen musikalischen Originalfassung von Erik Charell aus den 30er-Jahren.

Kitsch pur

Die Bühne (von Rainer Sinell) – eine einzige Kitschpostkarten­idylle – nimmt optisch vorweg, was später gesungen wird: "Die ganze Welt ist himmelblau".

Und obendrein mit Wölkchen, schneeweißen Bergen und putzigen Wolfgangseewellen garniert. In der knallbunten Szenerie tanzt gleich ein ganzes Amor-Ensemble in glitzernden Lederhosen.

Die Protagonisten sind aus Wien, haben Sinnlichkeit und Stimme und können spielen: Sigrid Hauser als fesch-resche "Rössl"-Wirtin Josepha Vogelhuber – von vielen umschwärmt – entscheidet sich am Ende bekanntlich für den mit Daniel Prohaska ideal besetzten und auch stimmlich überzeugenden Oberkellner Leopold.

In pointierten Dialogen prallen Austro-Schmäh und Berliner Schnoddrigkeit aufeinander.

Schlager wie "Mein Liebeslied muss ein Walzer sein", "Die ganze Welt ist himmelblau" oder "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist" verzaubern die Bayern.

Den größten Jubel aber erntet ein Weltstar, der erst nach fast zwei Stunden auf die Bühne kommt und in einer Mini-Rolle nur ein paar Sätze zu sprechen hat: Maximilian Schell gibt einen grenzenlos gütigen Kaiser, der über allem zu schweben scheint – während seine 48 Jahre jüngere Lebensgefährtin Iva Mihanovic mit der Ottilie in einer der weiblichen Hauptrollen glänzt.

KURIER-Wertung: **** von *****

Fazit: Eine Farce als Panoptikum an Gags

Stück "Im Weißen Rössl" kennt jeder als Film mit Peter Alexander. In München wird statt der musikalisch stark versülzten Nachkriegsversion das Original aus den 30er-Jahren gespielt – mit Jazz-Combo und Zither-Trio zum Orchester.

Regie Auch ein Bad im Kitsch mit Gags kann Freude machen.

Darsteller Sigrid Hauser und Daniel Prohaska brillieren.

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