© Columbia Records/Danny Jungslund

Gespräch
08/07/2020

Julian le Play: „Erfolg ist eine trügerische Sucht“

Der Singer/Songwriter spricht über die Schaffenskrise, Fernreisen, Tonstudios in Kambodscha und das Album „Tandem“

von Brigitte Schokarth

„Ich habe immer gedacht, die Inspiration ist eine Quelle, die ewig sprudelt. Und das war bei den ersten drei Alben ja auch so.“

Im Dezember 2017 erlebte Julian le Play allerdings seine erste Schaffenskrise. Er wollte neue Songs schreiben, aber es fiel ihm nichts ein. Dass er trotzdem heute, Freitag, das Album „Tandem“ veröffentlicht, mit dem er erstmals Songs mit anderen Musikern geschrieben und elektronische Elemente in seinen Singer/Songwriter-Sound eingebaut hat, hat der 29-Jährige unter anderem der Initiative seiner Schwester zu verdanken.

„Sie hat gemerkt, dass es mir nicht gut geht“, erzählt der als Julian Heidrich geborene Wiener im Interview mit dem KURIER. „Ich war gerade von einer Tour zurückgekommen, was immer ein kleines Tief bedeutet. Draußen war es kalt, und ich war auch noch frisch umgezogen. Meine Schwester war auf Sri Lanka auf Rundreise und sagte: ,Komm einfach her!‘“

Le Play nahm die Einladung an – und das erste Mal auf einer seiner Reisen kein Instrument mit. „In einem Hotel stand ein Klavier, das ich dann schon gespielt habe. Aber sonst waren wir dort als Rucksacktouristen im Dschungel unterwegs. Wir besuchten buddhistische Tempel, Tee-Plantagen und waren am Meer. Es war herrlich. So, dass ich danach auch noch nach Bali gefahren bin. Und nach dieser Auszeit ging es mir viel besser.“

Erinnerungen an diese Zeit finden sich auf Songs wie „Stein ins Meer“ oder „Millionär“ und „Still“. Dass die jetzt auch elektronisch interpretiert werden, liegt daran, dass le Play nach der Auszeit beschloss, jede Einladung für eine Zusammenarbeit anzunehmen – auch, wenn er den Einladenden nicht kennt.

Der erste Anfrage kam von Johannes Römer aus Bayreuth, der ihn über Instagram kontaktierte und Electronica-Sounds produzierte, die le Play spannend fand. „Johannes fragte gleich: ,Werden deine Fans so einen elektronischen Sound annehmen?‘ Ich hab gesagt: ,Das weiß ich nicht, aber es ist so geil, wir machen das!‘“

Die Zusammenarbeit mit der Rapperin Toksi für den Song „Hellwach“ war schwieriger zu organisieren: „Sie war gerade auf Weltreise. Also habe ich mittels Google ein Studio in Kambodscha aufgetrieben, wo sie gerade war und das einsingen konnte. Ich war überrascht, wie professionell die Studios dort sind.“

Aus 15 ähnlichen Erfahrungen kristallisierte sich ein Kernteam von Mitstreitern heraus, darunter Filous und Produzent Lukas Hillebrand. Mit ihnen zog sich le Play auf eine Hütte in Tirol zurück, um „Tandem“ auszuarbeiten.

In der Hütte entstand auch die Idee zur Gründung der „Villa Lala“, einem Kreativ-Zentrum mit Tonstudios und mehr als einem Dutzend Räumen für Songwriting und Vernetzung von Musikern und Produzenten, um auch in Wien so arbeiten zu können.

In einem Hinterhof mit idyllischem Garten in der Maxingstraße gelegen, wurde die „Villa Lala“ im Oktober eröffnet und sofort international bekannt. Acts aus Deutschland, den USA und England haben sich angemeldet.

So hat le Play seine Energie in dieses Projekt hineingesteckt, als ihn Corona zwang, seine Frühjahrstour abzusagen. Und er ist froh, auch dadurch die Inspiration und Freude am Musikmachen wiedergefunden zu haben.

„Ich bin mit steigendem Erfolg immer verbissener geworden. Denn der macht schon süchtig. Wenn du es einmal gut hingekriegt hast, willst du das immer wieder. Das ist aber eine trügerische Sucht. Denn letztendlich sind es nicht die Zahlen und die vielen Fans, die dich glücklich machen, sondern die Abende, an denen du mit anderen zusammen kreativ bist. Gott sei Dank habe ich das mit ,Tandem‘ erkannt.“

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