Kultur 29.01.2013

Die Kapriolen des Begehrens

Franz Wittenbrink / Uraufführung © Bild: Rita Newman

Franz Wittenbrink über seinen Schauspieler-Liederabend "Forever Young" im Theater in der Josefstadt.

Mehr als ein halbes Jahrtausend an Lebensjahren steht auf der Bühne: „Forever Young“ (Uraufführung: 31. 1.) im Theater in der Josefstadt ist eine der für Franz Wittenbrink typischen hintersinnigen Produktionen wie „Sekretärinnen“ oder „Männer“. Oder „Denn alle Lust will Ewigkeit“, sein Lieblingsstück aus eigener Produktion – ein trauriger Abend über den Tod.

Der Schauplatz seines neuen Liederabends – nach der 2011 mit dem „Nestroy Spezialpreis“ ausgezeichneten Uraufführung von „Eh wurscht“ in der Josefstadt – ist ein Kaffeehaus: In dem durchleben ein paar alte Herren – u. a. Otto Schenk, Gideon Singer, Kurt Sobotka und Toni Slama – beim Anblick attraktiver junger Frauen noch einmal ungeahnte Gefühlswallungen. Der Verstand schwindet, das Begehren schlägt Kapriolen, eine wundersame Verjüngung setzt ein.

Szenenfotos

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©Rita Newman/Theater in der Josefstadt

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Über Liebe und Tod

Die Arbeit mit den Theaterveteranen „ist spannend, macht Spaß und ist einfach“, sagt Wittenbrink im KURIER-Gespräch, „weil einer wie Otto Schenk im Kopf jung und neugierig geblieben ist.“ Das kommt der speziellen Arbeitsweise des Autors und Regisseurs aus Hamburg entgegen: „Ich trete ja stets nur mit einer Grundidee an. Figuren und Geschichte erfinde ich erst im Lauf der Proben.“

„ Und hier in Wien bekomme ich etwas Unbezahlbares: Herren, schauspielerisch souverän und erfahren, die per se eine Aura verbreiten, dass man das Gefühl hat: Da stehen große Lebensschicksale auf der Bühne.“

Typisch für Wittenbrink ist eine als szenischer Liederabend getarnte, mal liebevoll feine, mal ironische, immer nachdenklich vergnügliche Menschenbeobachtung. Und „ Forever Young“ ist ein Abend über Liebe und Tod.

„Das sind im Grunde die fundamentalen Lebensthemen. Mehr geht nicht“, sagt Wittenbrink. „Insofern ist das eine sehr schöne Konstellation um die wichtigsten Fixpunkte im Leben. Denn die Lust, über die Liebe sein Leben noch einmal zu verlängern, ist groß.“

Dabei interessiert den „König der Liederabende“ weniger, „wie vergesslich oder klapprig die Alten sind, sondern welche Vitalität und welcher Lebenswille noch in ihnen steckt. Welche Sehnsüchte und Fantasien die haben. Jeder hat da so seinen eigenen Weg.“

Erst kommt die Geschichte. Dann die Musik: Songs aus Pop, Rock, Schlager, Chanson und Volksmusik, um sie möglichst beziehungsvoll aneinander zu hängen und bestenfalls so miteinander zu verzahnen, dass so etwas wie eine „Geschichte“ entsteht, eine Fabel aus Musik.

Musik auf Niveau

Franz Wittenbrink
© Bild: KURIER/jeff mangione
In „ Forever Young“ sieht eine schöne, menschenfreundliche Frau ihre Berufung darin, einem älteren Herren, den sie geheiratet hat, den Übergang ins Jenseits so angenehm wie möglich zu machen: Wenn sie, an sich nett und charmant, ihm einen Giftcocktail mixt, ist es Zeit für das Schubert-Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ und den Song „Toxic“ von Britney Spears.

„Ich benutze bekannte Melodien nur, wenn ich denke, das macht im Kopf des Zuhörers Spaß“, so Wittenbrink. „Aber ich achte immer darauf, dass die Musik auf Niveau bleibt, und schneide die Lieder auf die gesanglichen Möglichkeiten und Fähigkeiten der Darsteller zu: Ich gehe schon bis an die Grenze, aber nicht bis in die Überforderung. Das Herz und die Seele, das bringen die Alten großartig. Etwa wenn Otto Schenk die Grals-Erzählung auf Russisch singt.“

Wittenbrinks Ziel ist intelligente Unterhaltung: „Die forderte ja schon Brecht vom Theater. Es ist doch das Größte, wenn das Publikum lachen und weinen kann – und das bei klarem Verstand.“

Spaß im Kopf

Zur Person: Franz Wittenbrink, musikalisch ausgebildet im Internat der Regensburger Domspatzen, war zunächst Schauspielmusiker und Komponist, 1993 bis 2000 Musikchef am Schauspielhaus in Hamburg, wo sein erster Lieder- abend „Sekretärinnen“ entstand.

Liederabend: Im der Burg lief „Mozart Werke GesmbH.“ von Wittenbrink und „So leben wir und nehmen immer Abschied“ (2009). Im Grenzbereich von Schauspiel und Musik- theater angesiedelt ist nach „Eh wurscht“ (2010) auch die Ur- aufführung von „Forever Young“ am Donnerstag in der Josefstadt.

www.josefstadt.org

Erstellt am 29.01.2013