© Werner Rosenberger

Kultur
06/18/2021

Josef Pillhofer im Leopold Museum: Schlussakkord der Moderne

Ausstellung zeigt das facettenreiche skulpturale und grafische Werk des Künstlers im Ringen um die Form.

von Werner Rosenberger

Seine Formensprache ist traditionell und innovativ zugleich. Er arbeitet zeitlebens figurativ und abstrakt, beschäftigt sich mit kubischen Formen und sucht die konsequente Reduktion bis zum Einfachsten.

„Das Komplizierte verdichten und vereinfachen“ zur „möglichst reinen Form“ war sein großes Ziel.

Skulpturen aus Bronze, Holz, Stein und Eisen, Zeichnungen und metallisch wirkende Collagen von Josef Pillhofer (1921–2010) aus sechs Jahrzehnten zeigt das Leopold Museum in einer 180 Exponate umfassenden Retrospektive zum 100. Geburtstag des Künstlers – klug in Beziehung gesetzt zu seinen vielen Inspirationsquellen: Arbeiten von Edgar Degas, Auguste Rodin, Aristide Maillol, Wilhelm Lehmbruck, Henri Laurens, Alberto Giacometti, Joannis Avramidis ...

Als letzter Vertreter der klassischen Moderne in Sachen Bildhauerei hat der Wotruba-Schüler Pillhofer in einem Schlussakkord noch einmal die verschiedenen künstlerischen Sprachen zusammengefasst und postuliert: „Modern sein heißt, das Ungewohnte zu proklamieren.“

„Pillhofer hat schon einige Jahre vor Wotruba den Schritt in die totale Abstraktion gemacht“, sagt Kurator und Museumsdirektor Hans-Peter Wipplinger im KURIER-Gespräch. Aber im nächsten Raum offenbart sich im Licht des Vorbildes Maillol die Suche nach der idealen Körperproportion.

Geometrische Auflösung

Zu sehen sind u. a. die üppige Frauenfigur „Afrikanerin“ (1963), salopp gesagt: mit der Anmutung einer Venus aus Mürzzuschlag; eine „Badende“ (1981), sinnlich und naturalistisch; das in Paris entstandene Schlüsselwerk „Radfahrerin“ (1951), die für den Künstlerkollegen Zadkine eher eine „Tänzerin“ war, und einige „Kopf-Skulpturen“, eine trägt den Titel „Kopf mit großer Nase“ (1961) und steht neben Picassos Bild „Le corsage orange – Dora Maar“ (1941). Überraschend auch eine künstlerische Begegnung mit Maria Lassnig in den 50er-Jahren.

Einerseits entstanden Skulpturen mit einer nahezu architektonischen Auffassung, andererseits interessiert sich Pillhofer für Brancusis Verknappung des menschlichen Kopfes bis zur völlig glatten Ovalform. Das Credo des Malers Cézanne prägt auch den Bildhauer: „Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, sodass jede Seite eines Objektes, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt.“

Eine weitere Inspirationsquelle ist für Pillhofer der deutsche Expressionist Wilhelm Lehmbruck mit seiner charakteristischen Tektonik und den gotisch überlängten Körpergliedern.

„Er hat den Formenschatz seiner Kollegen sehr gut studiert“, sagt Wipplinger.

Spannend ist und bleibt das Widersprüchliche, das Gegensätzliche bei Pillhofer: Streng und reduziert und schlicht ist die Abstraktion. Hingegen rund, weiblich und erotisch die Natur. Das fasziniert und macht Staunen.

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