Kultur
04.04.2017

John Rebus raucht seit einer Woche nicht mehr

Mit Krimi Nummer 21 freundet sich der schottische Autor Ian Rankin mit seiner Romanfigur an.

Nicht einmal John Rebus, Detective Inspector im Ruhestand, ist unsterblich.

Er raucht seit einer Woche nicht mehr, und damit das so bleibt, hat ihm seine Lebensgefährtin, eine Pathologin, ein Stück Lunge im Glas in seine Wohnung in Edinburgh gestellt.

Bei Rebus wurde COPD diagnostiziert: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Noch kein Grund zur Panik, aber ...

Früher beteuerte der Schotte Ian Rankin, der die Krimifigur dieses hustenden Elefanten im Porzellankasten erfunden hatte, er möchte mit John Rebus nicht viel zu tun haben und bestimmt nicht mit ihm auf einen Single-Malt-Whisky gehen.

"Was soll ich mit so einem reden?" hatte Rankin im KURIER-Interview gefragt – früher war er Schweinehirt, jetzt ist er Multimillionär, und er hat nichts an seinem Konsumverhalten geändert (Schallplatten, Alkohol).

Nicht "drüber"

Das dürfte sich spätestens seit dem neuen Roman "Ein kalter Ort zum Sterben", dem 21. der Serie, geändert haben: Die zwei haben nun sehr wohl etwas zum Plaudern.

Der Frankfurter Rundschau gegenüber bezeichnete der Autor die Beschäftigung mit seinem Helden als Therapie – Rebus ist 65, er 57, und wenn Rebus Angst vor dem Tod habe, so lerne er, Rankin, mit der eigenen Sterblichkeit umzugehen.

Allein von den englischen Ausgaben wurden bisher 35 Millionen Bücher verkauft, und auch "Ein kalter Ort zum Sterben" ist wieder so empfehlenswert, so vollendet, dass man sich fragt, wie das denn immer möglich ist, seit 1987, seit dem ersten Auftritt vom grantigen Rebus.

Diesmal reicht der 40 Jahre zurückliegende Mord an der lebenslustigen Ehefrau eines Bankiers: Sie wartete im Hotel auf ihren Liebhaber.

Wichtiger ist, dass John Rebus noch nicht "drüber" ist, noch nicht "am absteigenden Ast". Er hört John Martyn, den Singer-Songwriter, den außerhalb Großbritanniens kaum jemand kennt: "Ich gehe weg, um dich zu verlassen. Ich gehe nach Hause, über den Hügel ... " Und Rebus sagt dazu: Nein.

Ian Rankin:
„Ein kalter Ort zum Sterben“
Übersetzt von Conny Lösch.
Goldmann Verlag.
475 Seiten.
20,60 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern