Mit Protest Songs beim Jazzfestival Saalfelden: Gitarrist Marc Ribot

© Peter Moser/Jazzfestival Saalfelden

Jazzfestival
08/30/2014

Zum Gustieren am Musikbuffet der Neutöner

Kritik: Jazz in seiner ganzen Vielfalt in Saalfelden.

von Werner Rosenberger

Eine Soundcloud senkt sich über Saalfelden. Wo der Regen am Samstag und die Absage der Almkonzerte auch schon fast Tradition hat. Zum 35. Mal zieht heuer der Jazz abseits des Mainstream in die Gemeinde im Pinzgau. Die ShortCuts, das kleine feine Musikbuffet für den Connaisseur, sind bereits seit Wochen ausverkauft.

Am Freitag wartete alles gespannt, bis sich im Congress der Theatervorhang öffnete. Zunächst gab’s ein Bekenntnis der Veranstalter, dass "angesichts der Kriege rundum die Musik gegen den Wahnsinn anspielen muss".

Und eine Garantie der Landespolitiker, dass das Festival durch mehr Subvention "langfristig abgesichert" sei.

Piano & Electronics

Dann die traditionelle Auftragskomposition, gespielt von einem eigens für den Kick-off zusammengestellten Ensemble, diesmal vom in Wien lebenden Salzburger Philipp Nykrin. Der Pianist – auch schon einmal Gast beim Frequency Festival – passt mit seinem Quintett samt dem großartigen Trompeter Mario Rom in keine Schublade, siedelt sein Projekt Wire Resistance an der Schnittstelle zwischen elektronischen und akustischen Klängen an und klingt dabei erstaunlich wenig progressiv, wie es just bei diesem Festival zu erwarten gewesen wäre.

Besser ins Veranstaltungskonzept, Überraschendes und Widerständiges, Rebellisches und Unbequemes zu präsentieren, passt da schon Marc Ribot solo.

Der Gitarrist verscheucht zunächst grantelnd die Fotografen, schließlich sei er "kein Rockstar". Er singt erstmals, nun ja, nennen wir es milde Sprechgesang zu Protest Songs und zur kratzbürstigen Akustikgitarre. Was einen Zuhörer prompt zur Frage provoziert: "Auf welcher Droge ist der denn?"

Ribot demontiert den American Dream – mit einem Song über das Empire State Building, der "Kathedrale des Himmels", Liedern gegen den Krieg, gegen die weiße Rasse, gegen Männer ...

Der Trompeter Amir ElSaffar mit irakisch-amerikanischen Wurzeln kreuzt mit seinem Quintett nahöstliche Musiksprachen elegant mit dem Jazz-Idiom und erinnert dabei frappant an die weltmusikalischen Klangschöpfungen eines Don Cherry.

www.jazzsaalfelden.com

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