Sonor und choralartig: der diesmal sehr melodienverliebte Ben Goldberg an der Kontra-Alt-Klarinette bei „Unfold Ordinary Mind“  

© Peter Moser/Jazzfestival Saalfelden

Jazz Saalfelden
08/31/2014

Sperrige Sounds, ein Tornado und exquisite Klangminiaturen

Kritik: Am Hotspot des Jazz in den Alpen, in Saalfelden, gab’s für Entdeckungsfreudige eine relativ hohe Ausbeute an unkonventioneller Kost für die Ohren.

von Werner Rosenberger

Wuchtig und dynamisch am Samstag der Auftakt, der wie ein Weckruf daherkommt: Bei Christian Mühlbacher’s USW, ... konnte sich jeder in der Großformation austoben.

Zum Niederknien und Herzaufgehen anschließend das Set mit Ben Goldberg an der Kontra-Alt-Klarinette: "Unfold Ordinary Mind" schwelgt in Melodien und schreckt nicht vor harmonisch Gefälligem zurück. Dass daraus am Ende doch keine süßliche Soße wird, dafür sorgen zwei Saxofone und eine unkonventionell aufgebrezelte E-Gitarre.

Wie ein laues Lüfterl beginnt "Kaze" (japanisch für Wind), Satoko Fujiis Quartet, um plötzlich zum Tornado zu werden: So aufbrausend, so aggressiv, so urgewaltig wie zwei Trompeten, eine Pianistin und ein Drummer im großen Meer der experimentellen Klänge nur sein können. Um just dann, wenn’s am Nervigsten ist, abrupt abzubrechen.

Der New Yorker Henry Threadgill steht im blütenweißen Anzug meist abseits auf der Bühne und macht seinem Ruf als einer der sperrigsten Figuren im aktuellen Jazz alle Ehre. Doch entpuppt sich "Old Locks and Irregular Verbs", eine Hommage an den 2013 verstorbenen Butch Morris, Erfinder einer von der Partitur befreiten Bigband, weniger als kunstvolles Miteinander denn als eine großteils wenig originelle und letztlich spannungslose Aneinanderreihung von Soli.

Cello mit Akkordeon

Noch vor "Blaccahenze", dem brachial rockigen Betthupferl des gebürtigen Sizilianers Roy Paci lange nach Mitternacht, eine kleine Nachtmusik der speziellen Art als Überraschung: Denn das Cello spielt im Jazz eine untergeordnete Rolle. Und Musiker, die ernsthaft versuchen, dieses Instrument zu etablieren, sind rar.

Erik Friedlander, der seit vielen Jahren zu den Produktivkräften der New Yorker Downtown-Szene gehört, schrieb atmosphärisch dichte, filigrane Filmmusik zu Aufnahmen aus Weltgegenden der Extreme für sein Trio Black Phoebe. Er kombiniert das Cello mit Akkordeon oder Piano und sparsamen perkussiven Akzenten und entwickelt dabei ganz exquisite Klangideen.

Manche der bezaubernden Miniaturen klingen wie der Soundtrack eines imaginierten Roadmovies, andere wie der Titel "Fliegenfänger" haben Witz, und wieder andere sind einfach nur schön, voll der Sehnsucht und Melancholie, wie das fast verklungene Echo einer sehr fernen Liebe.

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