Jamie Cullum: Souverän als Sänger, Pianist Songwriter und Entertainer
Die dunklen Gewitter über Tulln haben sich längst verzogen. Jamie Cullum sitzt auf der Donaubühne am Klavier und beginnt vor einem traumhaft schönen Sonnenuntergang ein Konzert der Sonderklasse.
Der britische Musiker platzte mit seiner Mischung aus Jazz, Soul, Funk und Pop Anfang der Nullerjahre als Wunderkind in die Szene. Schon in den ersten Minuten in Tulln zeigt er, wie berechtigt der Hype von damals war: „These Are The Days“, einen seiner bekanntesten Songs, beginnt er leise als Solist am Piano, er schickt seinen charismatischen Gesang entspannt fröhlich in den lauen Sommerabend, während die Band dazukommt, und die Szenerie schon jetzt Gänsehaut aufkommen lässt.
Danach eine weitere Facette von Cullums breitem musikalischen Spektrum: Er steht auf, benützt den Rahmen des Flügels unter dem offenen Deckel als Percussion-Instrument, greift in den Korpus, scratcht über die Saiten und spielt eine hervorragende Analog-Version des Trip-Hop Hits „Praise You“ von Fatboy Slim.
Unkonventionelle Art
Cullum ist ohnehin auch für seine unkonventionelle Art Songs zu covern, bekannt: „I Could Have Danced All Night“ aus dem Musical „My Fair Lady“ gibt er in Tulln eine rasende Basslinie und jazzigen Drive. Immer wieder legen er und seine hervorragende Band Improvisationen ein, die – egal ob es gerade Jazz, Soul oder Funk ist – mitreißen, weil sie nicht das Können der Musiker im Fokus haben, sondern das Gefühl des Moments.
Im zweiten Teil spielt Cullum mehr von den eigenen tollen Songs. Ein Höhepunkt dabei ist „Mankind“, bei dem er – während er singend beschwört, den Glauben an die Menschheit nie aufzugeben – von der schwimmenden Bühne an das Ufer und durchs Publikum geht. Genauso lässig, zwanglos und souverän, wie er musiziert und mit jeder Faser seines Körpers Rhythmus und Melodie ist, geht Cullum auch mit den Fans um. Er erzählt, dass er die Donaubühne liebt, und entschuldigt sich, dass er voriges Jahr nicht hier war.
Dann zeigt er noch mehr, von dem, was er drauf hat, packt von hoch bis tief alles aus, was seine Stimme bietet. Auf die zarte Ballade „High And Dry“ folgt eine Akustiksession, dann Latin-Jazz, Swing, Charleston, mehr mitreißende Tanzbeats und eine Akustiksession, bei der alle sieben Bandmitglieder im Chor singen. Wunderbar! Gerne nächstes Jahr wieder.
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