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Kultur
06/10/2020

Jack Garratt musste sich nach dem Debüt ständig verteidigen

Der britische Singer/Songwriter erzählt im Interview mit dem KURIER, warum er nach seinem Durchbruch in Selbsthass verfiel.

von Brigitte Schokarth

„Ich ging über eine Brücke und dachte: ‚Was, wenn ich runterspringe?‘ Und derartige Gedanken kamen immer öfter, wurden sehr aggressiv, dunkel und gefährlich!“

Jack Garratt, der britische Singer/Songwriter, der so effektiv Trip-Hop, Electronica und Indie-Pop verbindet, spricht im KURIER-Interview von der schwierigen Zeit, die er nach dem höchst erfolgreichen Debüt „Phase“ von 2016 hatte. Kritiker und Publikum liebten die Art, wie er darauf die unterschiedlichsten Stile fusionierte und all das mit seiner seelenvollen Stimme zu berührenden Songs verband.

Doch der 28-Jährige konnte sich nicht lange darüber freuen. Als er – wie auch Adele, Ellie Goulding und Sam Smith – die renommiertesten britischen Musikpreise abräumte, fiel er in einen Strudel von Selbsthass und Depressionen. Denn: „Ich wurde überall nur mehr der neue Sam Smith genannt und mit Adele und Ellie Goulding vergleichen. Obwohl meine Musik ganz anders ist. So kam ich in der Öffentlichkeit schnell in die Position, mich ständig verteidigen zu müssen, und hatte das Gefühl, dass da draußen eine Geschichte über mich erzählt wird, die unwahr und unfair ist. Dagegen anzukämpfen hat bewirkt, dass ich bald überhaupt nicht mehr wusste, wer ich als Musiker war und sein wollte.“

Hilfe kam von der buddhistischen Legende von Mara, der Verkörperung von Unheil, der Garratt auf seinem Freitag erscheinenden zweiten Album „Love, Death and Dancing“ den Song „Mara“ gewidmet hat. „Als diese selbstzerstörerischen Gedanken immer stärker wurden, beschäftigte ich mich damit und stieß im Internet auf diese Legende“, erzählt er. „Da heißt es, dass Mara Buddha beim Meditieren im Garten störte, Buddha den Geist aber nicht verjagte, sondern auf einen Tee einlud und fragte, was Mara von ihm wolle. Die wunderbare Botschaft, die dabei für mich rüberkam, war, dass es meine Verantwortung ist, diese dunklen Gedanken als Teil von mir zu akzeptieren und anstatt sie zu bekämpfen und zu verdrängen, herauszufinden, warum sie da sind und wie ich mit ihnen leben kann.“

Auch der Rest der Songs von „Love, Death and Dancing“ widmet sich ganz der Aufarbeitung der verwirrenden Gefühle und Depressionen, die bedingten, dass Garratt eine erste Version des zweiten Albums wegwarf und neu begann („Ich konnte mich selbst nicht leiden, also konnte ich auch keine guten Ideen haben“) und sein Management wechselte.

„Viel wichtiger war aber, dass ich mich geändert habe. Ich war früher leicht zu manipulieren. Niemals in Bezug auf meinen Sound, da bin ich stur. Aber in Bezug auf Business-Entscheidungen. Da hatte ich null Selbstvertrauen in meine Instinkte, wie etwas zu machen ist. Das konnte ich ablegen.“

Oft spricht Garratt in den neuen Songs deshalb von sich als zwei Personen – von dem Mann, der er vorher war, und dem, der er jetzt ist. „Natürlich taucht der andere auch heute noch immer wieder auf. Aber da halte ich es wie mit den dunklen Gedanken: Ich versuche, ihn als Teil von mir zu sehen und zu akzeptieren. Und das ist ja auch alles nicht neu. Ich war ein sehr emotionales Kind und hatte mit 12 Jahren erste Erfahrungen mit Depressionen. Aber natürlich sind Dinge wie der Druck in der Industrie und eine Außenwelt, die ein falsches Bild von dir hat, Sachen, die so etwas extrem verstärken.“

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