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Kultur
11/17/2020

Isabella Rossellini über ihre Mutter, Schönheit und den Sex von Tieren

Die Schauspielerin im Interview über ihre YouTube-Liveshow, ihre Mutter und David Lynch.

von Elisabeth Sereda

Mit 68 ist die Tochter von Ingrid Bergman und Roberto Rossellini schwer beschäftigt. Neben einer TV-Serie und drei Filmen, die 2021 herauskommen oder gedreht werden, arbeitet sie in erster Linie als Kreatorin, Produzentin und Darstellerin an der Umwelt- und Tierserie „Green Porno“. Isabella Fiorella Elettra Giovanna Rossellini – so ihr ganzer Name – wuchs in Rom, Paris und Santa Marinella auf, und arbeitete mit 19 als Reporterin für den italienischen Staatssender RAI, bevor sie von Starfotograf Bruce Webber als Model entdeckt wurde. Ihr 15 Jahre langer Vertrag mit Lancôme machte sie weltberühmt.

Ihre internationale Filmkarriere startete 1985 in „White Night“ mit Mikhael Baryshnikov. Ihr späterer Lebenspartner David Lynch sorgte mit „Blue Velvet“ für ihren Durchbruch. Ihre Liveshow „Sex and Consequences“ („Sex und Konsequenzen“) hat Ende des Monats auf YouTube und auf Sundance TV Premiere.

KURIER: Was ist die Geschichte von „Sex and Consequences“?

Isabella Rossellini: Der Background ist, dass die Pandemie begann, und wir uns alle mit Zoom anfreundeten. Mein Agent rief mich an und fragte, ob ich einen 40-minütigen Monolog live filmen würde, der sich mit Tieren beschäftigt. Das ist nichts Neues für mich, ich habe ein Doktorat in Tierverhalten. Auch die „Green Porno“-Serie beschäftigt sich mit Tiersex.

Waren Sie immer schon an Tieren interessiert?

Ja. Derzeit bin ich in Long Island, 60 Meilen außerhalb von New York, auf meiner Bio-Farm, auf der ich viele verschiedene Tiere habe, Ziegen, Schafe, Hühner, Enten, Truthähne... Sogar mein Haus ist vorwiegend mit Tierkunst ausgestattet, mein Studio ist eigentlich meine Scheune. Hier drehe ich auch meine Filme und meine Liveshows finden ebenfalls hier statt.

Welche Informationen wollen Sie dem Publikum vermitteln?

Der Grund, dass ich überhaupt mit dieser Serie begonnen habe war, um mit einer Fehleinschätzung aufzuräumen, nämlich, dass Tiere Sex nur zur Vermehrung haben. Das ist falsch. Sie haben auch Sex, um Konflikte zu meistern, als Kommunikation und um Connections aufzubauen. Und es gibt homosexuelle Tiere.

Sie sind dreisprachig (englisch, italienisch, schwedisch) aufgewachsen. Welche Sprache ist Ihnen am liebsten?

Viersprachig. Meine Eltern sprachen französisch, weil mein Vater kein Schwedisch und meine Mutter kein Italienisch verstand, und er nur sehr schlecht englisch konnte. Nach ihrer Scheidung, als ich drei war, zog ich mit meiner Mutter nach Paris, daher war französisch meine erste Sprache. Aber wenn Sie mich fragen, was ich für die am meisten sexy Sprache halte, dann muss ich Deutsch sagen. Und das hat mit Hannah Schygulla zu tun. Ich sah als junges Mädchen einen Film mit ihr und obwohl ich kein Deutsch verstehe, war ich hingerissen von ihrem sanften, melodischen Ton und dem Sprachrhythmus.

Sie sind jetzt ein Jahr älter als Ihre Mutter, als sie starb. Ist das ein seltsames Gefühl?

Erst als ich dasselbe Alter wie sie erreicht habe, wurde mir klar, wie jung das eigentlich ist. Ich bin so voller Energie, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand in meinem Alter sterben könnte. Ich bin auch sehr traurig, dass keines meiner Kinder, Elettra und Roberto, die Chance hatten, meine Eltern kennenzulernen. Beide starben, als ich in meinen 20ern war.

Was machte Ihre Mutter in den Augen der Tochter so besonders?

Das Interessante ist, dass ich sie heute sogar mehr bewundere als früher, als ich jünger war. Ihre Stärke, ihre Ehrlichkeit, ihren Humor und ihren Charme. Ich erkenne, je älter ich werde, wie mutig, intelligent und fähig sie war. Wie sie Schwierigkeiten gemeistert und das Älterwerden, den Verlust der jugendlichen Schönheit mit Würde lebte. Ich bin sehr dankbar, eine Mama wie sie gehabt zu haben. Sie ist mein Vorbild, jetzt wo auch ich schon Großmutter bin.

Was ist Ihre Erinnerung an „Blue Velvet“, der Film, der sie als Schauspielerin etablierte?

Dieser Film war der Beginn einer Lebensfreundschaft zwischen David Lynch, Laura Dern, Dennis Hopper, Kyle McLachlan und mir. Es war eine Atmosphäre von totalem Vertrauen, die David gleich zu Beginn der Dreharbeiten schuf. Anders hätte ich diese extrem schwierige Rolle nie spielen können. David hatte eine klare Vision, und wir gaben uns komplett seiner Führung hin. Und deshalb sind wir bis heute eine Familie.

Was ist Schönheit für Sie?

Ich habe 15 Jahre für Lancôme gearbeitet, und dann haben sie mich ersetzt, weil ich mit 42 zu alt war in ihren Augen. 20 Jahre später kam die Chefin von Lancôme auf mich zu und meinte, sie würde das jetzt gutmachen wollen. Ich schlug ihr vor, Helen Mirren zu fragen. Das tat sie auch, aber sie überredete auch mich. Schönheit hat für mich vor allem mit Natürlichkeit zu tun.

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