Isa Genzken: Die Künstlerin wird derzeit weltweit geehrt  

© Kunsthalle Wien

Kunsthalle Wien
06/10/2014

Isa Genzken: Aufwachen im Haus aus Plexiglas

Die Ausstellung zu Isa Genzken zeigt eine hierzulande unterrepräsentierte "Starkünstlerin".

von Michael Huber

Wir haben da was verschlafen. Mit 65 Jahren wird Isa Genzken gerade als wichtigste Künstlerin der vergangenen 30 Jahre gefeiert, ihre Retrospektive aus dem New Yorker MoMA – stets der sicherste Beweis dafür, dass ein Künstler international "angekommen" ist – wird gerade in Chicago gezeigt. Und in Österreich – war da je was?

Obwohl die MoMA-Schau von Sabine Breitwieser‚ nunmehr Direktorin am Salzburger MdM, kuratiert wurde, schien Genzken am engen österreichischen Kunsthorizont nie so recht präsent: 1996 hatte Breitwieser in der Generali Foundation eine Solo-Ausstellung gezeigt, 2006 die Secession.

Nachhilfe

Nun hat Nicolaus Schafhausen, ein langjähriger Vertrauter Genzkens und seit Oktober 2012 Chef der Kunsthalle Wien, die Aufgabe übernommen, dem hiesigen Kunstpublikum mitten im Genzken-Hype ein wenig Nachhilfe zu geben. Er tut dies mit einem luftigen Arrangement aus Arbeiten verschiedenster Werkphasen, die um Genzkens Auseinandersetzung mit Raum und Architektur kreisen.

Ohne vorgegebenen Pfad lädt die Schau im Obergeschoß der Halle im MuseumsQuartier zum Flanieren durch eine Art Stadtlandschaft ein: Gleich am Eingang verdeutlichen Werke der Serie "New Buildings for Berlin" (seit 2001), wie Genzken zwischen Skulptur und Architektur, zwischen Vision und Desillusion oszilliert. Die Verwendung "unedler" Materialien ist dabei ein wichtiger Faktor – die an Wolkenkratzer erinnernden "Buildings" sind aus farbigem Plexiglas und ähnlichen Industrie-Stoffen aufgeschichtet. Während die Künstler des Minimalismus, die Genzken durchaus beeinflussten, daraus coole, perfekte Gebilde schufen, tritt hier das Rohe des Materials hervor.

Brüche und Spiegel

Industrie und Fortschritt treten in dem Werk der Künstlerin überhaupt in den eigentümlichsten Abwandlungsformen zutage. Die "Ellipsoide" aus den 1970er-Jahren, die Genzken auf der Basis von Computerberechnungen anfertigen ließ, sind vielleicht die "kühlsten" Exponate der Schau: Die langen, lackierten Holzobjekte zeugen von einer Faszination für konstruktive Möglichkeiten, aber auch von einer Lust daran, Ebenmäßiges zu brechen.

"Science Fiction – Hier und jetzt zufrieden sein" lautet dann auch der bezeichnend widersprüchliche Titel jener Arbeit, die die große Halle dominiert: Als Besucher wandert man zwischen zwei verspiegelten Wänden und sieht sich links und rechts endlos gespiegelt; der Blick nach vorne fällt aber auf eine recht trostlose Fotografie, die nach einer Party im Atelier ihres Künstlerfreunds Wolfgang Tillmans entstand.

Gewiss war Genzken mit ihrer Sensibilität für künstlerische Probleme und ihrer Weigerung, sich klar auf ein Medium wie Malerei oder Skulptur festzulegen, lange Zeit ein "artist’s artist", also jemand, der vor allem in Künstlerkreisen reüssierte.

Ihr Ex-Mann Gerhard Richter, mit dem Genzken 1992 eine (in der Schau dokumentierte) U-Bahn-Station in Duisburg gestaltete, überstrahlt sie heute an Ruhm und Marktwert; In der Analyse und im Austausch von künstlerischen Ideen ging Genzken aber teils radikalere Wege.

Insofern ist es erhellend, dass die Ausstellung Werke von "Referenz-Künstlern" wie Dan Graham, Jasper Johns und auch Richter präsentiert, die tatsächlich in einen Dialog mit Genzkens Arbeiten treten.

Isa Genzken: Bis 7.9.

Die Künstlerin
Isa Genzken wurde 1948 in Bad Oldesloe nahe Hamburg geboren. Sie studierte u. a. an der Düsseldorfer Kunstakademie und lebte längere Zeit in New York. Heute lebt und arbeitet sie vorrangig in Berlin.

Die Ausstellung
„I’m Isa Genzken, The Only Female Fool“ ist bis 7. September in der Kunsthalle Wien im MuseumsQuartier zu sehen. Die Schau wurde von Nicolaus Schafhausen kuratiert und zeigt neben Skulpturen, Objekten und Bildern auch Werke namhafter Zeitgenossen der Künstlerin.
www.kunsthallewien.at

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