Kultur
18.06.2018

Iron Maiden beim Nova Rock: Ein Flugzeug für rasende Riffs

© Bild: Florian Wieser

Iron Maiden lieferten mit toller Show und vielfältigem Sound ein würdiges Finale.

Erst Wald, dann Burg, dann Kirche. Das waren die Kulissen, die Iron Maiden für ihren Auftritt beim Nova-Rock-Festival Sonntagabend mitbrachten. All diese Szenerien wurden aber nicht etwa von einer grell leuchtenden LED-Wand fabriziert, sondern von guten alten Vorhängen – von auf Stoffen gemalten Bildern!

Und es war perfekt so. Denn eine LED-Wand mit ihrer High-Tech-Anmutung hätte einfach nicht zu der Stimmung und den Themen gepasst, die Iron Maiden in ihren Songs aufgreifen. Denn oft geht es dabei um mystische Figuren, mittelalterliche Kämpfer, den Teufel und Okkultes. Dazu passen Luster mit Kerzen, die sich von der Bühnendecke senken, einfach besser.

Aber das ist noch lange nicht alles: Eröffnet wird die „The Legacy Of The Beast“-Show mit einem Flugzeug, das über den Köpfen der Musiker hin und her schwingt. Später bei „Flight Of Icarus“ erscheint eine zehn Meter hohe Ikarus-Statue. Und das Iron-Maiden-Maskottchen Eddie kämpft auch wieder mit Dickinson, der hier öfter die Tops, Mäntel und Hüte wechselt, als Lady Gaga die Outfits in ihrer Show.

Auch wenn der Sänger beim Start der Tour in einem Interview erklärte, dass er diese pathetische Show, die nach dem Computerspiel von Iron Maiden benannt und modelliert ist, mit viel Ironie sehe – sie funktioniert!

Auch beim Nova Rock in in Nickelsdorf. Vor allem, weil die visuelle Inszenierung, die später mit jeder Menge Pyrotechnik ausgeschmückt wird, eine Musikalität begleitet, die man sonst das ganze Festival lang nicht gehört hat.

Einer der drei Gitarristen: Janick Gers © Bild: Florian Wieser

Turbo-Tempo

Dickinsons Stimme kommt immer noch mühelos und kraftvoll in die höchsten Höhen, auch wenn der Betreiber eines Hangars für Wartung von Flugzeugen im August 60 Jahre alt wird. Die Gitarristen Janick Gers, Adrian Smith und Dave Murray, alle jenseits der 60, bedienen die Saiten mit Turbo-Tempo und zeigen weder bei den furiosen Soli noch bei den rasenden Riffs Schwächen.

Und das Beste: Die Songs, beschränken sich nie auf wütendes In-die-Saiten-Hacken. Es gibt immer wieder Wechsel im Tempo. Aus ruhigen Phasen baut sich neue Energie auf. Hymnische Melodiepassagen und sakrale Chöre wechseln mit rabiaten Ton-Salven. So wirken Songs wie „For The Greater Good Of God“ wie rockende Mini-Symphonien.

Mit „The Clansman“ und „Aces High“ haben Iron Maiden auch Stücke zum Nova Rock mitgebracht, die sie lange nicht mehr live gespielt haben. Aber es sind Hits wie „The Number Of The Beast“ oder „Fear Of The Dark“, die jetzt gegen Ende der Show die Masse vor der Blue Stage begeistern. Auch wenn es jetzt schon nicht mehr die 50.000 sind, die Dickinson am Anfang begrüßt hatte. Viele sind schon beim Auto, weil sie den finalen Abreise-Stau vermeiden wollen.

Schade. Das haben sich Iron Maiden nicht verdient. Denn bedingt durch den Ausfall der Toten Hosen am Eröffnungstag waren die Briten – pathetische Show hin oder her – der einzige würdige Headliner des heurigen Nova Rock.

© Bild: Florian Wieser