Irankrieg und Kultur: Es knirscht im Scharnier der Kunstwelt
Es hätte das Jahr des Durchbruchs der Kunstwelt am Golf werden sollen.
Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien sorgen zwar schon seit längerer Zeit mit millionenschweren Kunstkäufen und ambitionierten Museumsbauten für Schlagzeilen – doch die für heuer angesetzte Dichte an Ereignissen, in denen die Initiativen der Region mit globalen Marken zusammenspielen, gab es bisher noch nicht.
Nachdem das Auktionshaus Sotheby’s im Vorjahr eine „Sammlerwoche“ in Abu Dhabi abgehalten hatte (ausgestellt waren Werke von Klimt bis Banksy, verkauft wurden primär Autos und Juwelen), ging im Februar erstmals die „Art Basel Katar“, der Ableger des globalen Messeunternehmens, über die Bühne. Dann kam der Krieg im Iran.
„Noch nie da gewesen“
Der nächste große Kunstevent, die Messe „Art Dubai“, soll bereits Mitte April stattfinden – ob es dazu kommt, ist noch unklar. „Es ist ein noch nie da gewesener Moment für die Vereinigten Arabischen Emirate, und das Wohlergehen unserer Künstler, Galerien, Sammler und Partner hier in Dubai und in der ganzen Region ist im Zentrum jedes Gesprächs, das wir derzeit führen“, erklärt eine Sprecherin auf KURIER-Anfrage. Die erst im Vorjahr bestellte künstlerische Leiterin der Messe, die Wienerin Dunja Gottweis, ist für Auskünfte nicht verfügbar.
Die „Art Dubai“, die heuer ihr 20-jähriges Jubiläum feiern würde, ist eine Art Pionierposten des Kunstmarkts in der Region und seit jeher stärker mit der Szene vor Ort verwurzelt. Der Event lebt freilich auch vom Image Dubais als Luxus-Oase und von der Dichte an gut verdienenden „Expats“ und Urlaubern in dem Emirat. Seit das ikonische Hotel „Burj Al Arab“, das sich unweit des Hotelkomplexes „Madinat Jumeirah“, dem Austragungsort der Messe, befindet, von Teilen einer abgefangenen iranischen Drohne getroffen wurde, hat dieses Image Kratzer bekommen.
Die mit der Sperre der Straße von Hormus einhergehenden Blockaden im Warenverkehr betreffen dazu auch Kunsthändler, die ihre wertvolle Ware in den Golf schicken. Während die aktuelle Lage die Messe in Dubai stark trifft, bleibt noch etwas Zeit bis November, wenn der Kunstmessen-Riese „Frieze“ seine erste Dependance in Abu Dhabi eröffnen will.
Auch wenn vielen westlichen Galerien und Händlern die Kunstmessen am Golf als Oase in einem schwierigen Marktumfeld vor Augen schweben, soll der kulturelle Aufschwung kein reines Phänomen des Marktes bleiben. So kommunizieren es zumindest die Player in den Golfstaaten, die durchaus unterschiedliche Strategien der Positionierung verfolgen.
Oase und Fata Morgana
Vor allem Katar ist um ein eigenständiges Profil bemüht. Sheikha Al Mayassa bint Hamad bin Khalifa Al Thani, die Schwester des Emirs, steht der Museumsbehörde des Staates vor und ist ungebrochen auf Expansionskurs: Nach dem von Pritzker-Preisträger Jean Nouvel geplanten Nationalmuseum und dem von Ieoh Ming Pei, dem Architekten der Louvre-Pyramide, designten „Museum of Islamic Art“ soll 2030 das „Art Mill Museum“ eröffnen. Am Ort einer ehemaligen industriellen Mühle will man Kunst der Moderne und der Gegenwart „aus allen Regionen der Welt auf einer gemeinsamen Basis“ präsentieren, heißt es – in einem Ankündigungsvideo singen Museumsexpertinnen und -experten, alle Teil des „wissenschaftlichen Beirats“, Loblieder auf die Zukunft.
Mühlen statt Flaggschiffe
Momentan allerdings kündet ein gelbes Banner auf der Website der Katar-Museen davon, dass alle Einrichtungen bis auf Weiteres geschlossen bleiben.
Unklar bleibt auch das Eröffnungsdatum für den Guggenheim-Ableger in Abu Dhabi. Der Bau des im Vorjahr verstorbenen Architekten Frank Gehry war eines der ersten Vehikel, mit dem das Emirat den Kultur-Turbo einlegen wollte, wurde aber unzählige Male verzögert. Von einer Eröffnung Ende 2026 war vor Beginn des Iran-Kriegs die Rede – konkretere Infos sucht man vergeblich.
Dabei wirken die Flaggschiffe globaler Museumskonzerne inzwischen bereits schon wieder als Idee von gestern: Den regionalen wie internationalen Playern ist inzwischen klar, dass ein kultureller Hotspot auch Kunstproduktion vor Ort braucht, und so finanziert man Stipendien für „Artists in Residence“ und Kunstprojekte in aller Welt. Das Emirat Sharjah ist diesbezüglich besonders aktiv, die dortige Biennale wird erst wieder 2027 stattfinden. Vorerst steht für Ende März ein Symposium am Programm, es geht um die Krise. Das Motto: „Zwischen uns – die Welt.“
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