„In the Hand of Dante“: Die Schalldämpfer-Pistolen der Göttlichen Komödie
Oscar Isaac als Dante Alighieri, der irgendwie auch US-Schriftsteller Nick Tosches ist.
Der US-Autor Nick Tosches war ein Vertreter des Gonzo-Journalismus, sein Buch „Hellfire“ über Jerry Lee Lewis wird gemeinhin als die „beste Rock’n’Roll-Biografie, die je geschrieben wurde“, bezeichnet. Der 2019 verstorbene Schriftsteller hat auch den Roman „In the Hand of Dante“ geschrieben. Da hat er sich selbst die Rolle eines mit dem Werk des Dante Alighieri verwachsenen Künstlers gegeben. Julian Schnabel hat das Buch verfilmt, die Adaption ist nun auf Netflix abrufbar.
Mafia mit Kunstgespür
Die Geschichte ist eine kuriose Mischung, die Besetzung irgendwie auch. In einem Film, in dem John Malkovich mitspielt, erwartet man sonst eher nicht auch Jason Momoa. Man lernt erst Nick (Oscar Isaac) kennen, als einen Autor mit Allüren und einer Sünde aus der Kindheit, bei der sein Onkel (Al Pacino) eine Rolle spielte. Und man lernt Louie (Gerard Butler) kennen, einen Auftragskiller, bei dem in Sachen höfliche Umgangsformen noch Luft nach oben ist. Die beiden werden von einem Luxushehler (John Malkovich) zusammengeführt, der sie für einen Auftrag zusammenspannt: das nicht erhalten geglaubte Originalmanuskript von Dantes „Göttlicher Komödie“ zu organisieren. Dafür reisen sie nach Italien und hinterlassen ein Blutbad. Nun war der Besitzer des mittelalterlichen Schriftstücks (Franco Nero) ein Mafiaboss. Sein Nachfolger (Jason Momoa) nimmt ihm aus dem Sarg heraus den Paten-Ring ab und macht sich auf die Suche nach den Dante-Dieben.
Selbst Martin Scorsese ist dabei
Währenddessen versucht sich Nick an einer seriösen Datierung der Blätter und ist naiv genug, zu glauben, dass er ganz ohne die Hilfe von Louies Schalldämpfer auskommt.
Diese Handlung wird immer wieder durchkreuzt von Rückblenden auf das Leben von Dante selbst und seinen Weg zur göttlich durchwirkten, literarischen Erweckung. Auch er wird von Oscar Isaac gespielt, so wie seine Frau von Gal Gadot verkörpert wird, die in der Gegenwart seine Angebetete, deren Leben er in Gefahr bringt, spielt. Butler taucht in einer Zweitrolle als Papst auf und es gibt einen miraculix-artigen Weisen, den Martin Scorsese spielt. Anders als gewohnt, sind die Bilder der Vergangenheit in Farbe und jene im Heute schwarz-weiß.
Wer sich eine kulturhistorische Action-Schnitzeljagd à la Dan Brown erwartet, der ist bei diesem Film falsch. Es ist eine etwas behäbige, aber durchaus reizvolle Fantasie über die Fortwirkung von großer Kunst.
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