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© ImPulsTanz/© Ursula Kaufmann

Kritik ImPulsTanz
07/29/2013

"Und es tut mir leid"

Jérôme Bels "Disabled Theater" bei ImPulsTanz.

Der französische Choreograf Jérôme Bel gilt als führender Vertreter des Konzepttanzes. Sein „Disabled Theater“, umjubelt seit der Brüsseler Uraufführung, ist nach dem Berliner Theatertreffen und der dOCUMENTA (13) Kassel nun bei ImPulsTanz im Akademietheater zu sehen (noch am Dienstag und am Mittwoch).

Bel legt seine Finger in eine offene Wunde unserer Gesellschaft. In „Disabled Theater“ arbeitet er erstmals mit elf Schauspielerinnen und Schauspielern mit geistigen Behinderungen (vom Schweizer Theater HORA) zusammen. Menschen mit geistigen Behinderungen sind meist ausgegrenzt. Nicht bei Bel. Das Sensationelle an dieser Aufführung ist nicht das Theater in ungewohnter Besetzung, sondern: Bels Theaterkonzept wird mit den Menschen mit Handicap nicht anders zur Geltung gebracht als sonst.

Bilder vom ImPulsTanz '13

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Herausforderung

Am Beginn schon die erste Herausforderung: Jeder Akteur steht eine Minute allein auf der Bühne – eine Situation, der sich die Mitglieder von HORA sonst kaum stellen.

Bels Assistentin Simone Truong erklärt auf der Bühne die Anweisungen des Regisseurs. Später übersetzt sie Texte für das internationale ImPulsTanz-Publikum von Schweizerdeutsch auf Englisch.

In der zweiten Stufe stellen sich die Darsteller vor, nennen Namen, Alter und Beruf (immer Schauspieler). Bel baut individuelle Annäherungen aus. Die Darsteller nennen die Ursachen ihrer Behinderung. „Ich habe Down Syndrom, und es tut mir leid“ sagt Julia Häusermann.

Peter Keller will seinem Freund Gianni Blumer Sterne vom Himmel holen.

Sieben von Bel ausgewählte Tanzsoli folgen, die Tänzerinnen und Tänzer haben sich Musik ausgesucht und dazu choreografiert. Höchst unterschiedlich verstehen sie es, ihre Kreativität auszudrücken.

Im Hintergrund agieren, reagieren ihre Kollegen als Publikum – wohl der Albtraum aller Schauspieler, wenn hinter deren Rücken unbekannte, aufsehenerregende Aktionen passieren.

Und während man beginnt, den Regisseur Bel dafür zu hassen, dass nicht alle Elf ihre Soli zeigen dürfen, fordert Darsteller Gianni Blumer genau dies erfolgreich ein. Der mitreißende, berührende Abend endet mit den Gedanken der einen über das Wirken der anderen: „Super war’s“.

KURIER-Wertung: ***** von *****

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