ImPulsTanz: Im Schnellzug durch Asiens grellbunte Tanzwelt
Von: Silvia Kargl
So bunt und unterhaltsam kann Tanz sein: Eun-Me Ahns „Post-Orientalist Express“ führt das Publikum bei ihrem ImPulsTanz-Debüt im Burgtheater ausgehend von Korea in weitere Länder Asiens, nicht ohne Seitenblicke auf den Perspektivwechsel aus der Sicht westlicher Betrachter. Wobei das „Post-Orientalistische“ am Beginn in Video-und Fotoprojektionen abgehandelt wird, durchaus tiefsinnig, während das anschließende Tanztheater-Stück in eine opulent ausgestattete Gegenwartsrevue mit knallbunten und glitzernden Kostümen von Eun-Me Ahn driftet.
„Post-Orientalist Express“ spielt mit einer Mischung von Klischees und dem „Blick von außen“, der gefährlich voyeuristisch ausfallen kann. Nicht umsonst werden Gemälde von europäischen Malern des 19. Jahrhunderts mittels KI belebt, so die „Grande Odalisque“ von Jean-Auguste-Dominique Ingres, und dem „Exotismus“ zugeordnete Bilder von Jean-Léon Gérôme, die entblößte Sklaven weiblichen und männlichen Geschlechts den Blicken möglicher Käufer aussetzen. Dazu kommen Darstellungen eines fliegenden Teppichs, das Filmplakat von „The King and I“ mit Yul Brynner, ein Foto von Peter O’Toole aus „Lawrence of Arabia“ und weitere Beispiele für mögliche Aneignungen von Orientalismen, besonders im Zusammenhang mit der Sexualisierung von Frauen.
Aus diesem Wissen heraus wählt Eun-Me Ahn für ihr Tanztheater einen völlig anderen Zugang. Sie gestaltet Szenen mit von asiatischer Kunst inspirierten Inhalten und Choreografien, rückt die Lebensfreude der bis heute gepflegten Traditionen ins Zentrum. Märchen und Mythen, Theaterformen wie Kabuki oder auch die Kampfkünste der Shaolin-Mönche werden beleuchtet, sogar ein riesiger Plüsch-Panda bekommt einen Auftritt.
Die Show läuft im atemberaubenden Tempo ab, am Ende ist man überrascht, dass nur sieben Performer die Bühne mit den Kostümtransformationen so spektakulär füllen können. Der Tanz rückt in die Nähe der Zirkuskunst, bis die 1963 geborene Künstlerin das Stück mit einem Solo im – die asiatischen Länder verbindenden – Drachenkostüm besinnlich ausklingen lässt. Riesengroßer Applaus.
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