© Montage

Hintergrund
10/12/2012

Hollywood: Senioren auf der Überholspur

In "96 Hours" lässt Liam Neeson mit seinen 60 Lenzen ab Freitag wieder die Fäuste sprechen. Hollywood entdeckt die Generation 50+, auch als Publikum.

von Karl Oberascher

Liam Neeson ist er nicht der einzige Hollywood-Haudegen, der noch einmal richtig loslegt – wenn andere schon längst an ihre Pensionierung denken. Auch Bruce Willis lässt es mit dem fünften Teil von "Stirb langsam" in diesem Jahr noch einmal krachen. Zäh, wenn man die 58 Lenze bedenkt, die er dann zählt. Doch nicht nur auf der Leinwand spielt die Generation 50+ eine schlagkräftige Rolle.

Ihre Altersgenossen sind längst auch ein bedeutender Faktor an den Kinokassen geworden. Abseits der Zielgruppe 14 - 49 stürmen sie zwar nicht in Massen, aber stetig Filme, die auch mit weniger Budget auskommen. Ein Überblick in Bildern über die Altstars im vermeintlich ewig jungen Hollywood. Liam Neeson, geboren am 7. Juni 1952 in Nordirland, erhielt für "Schindlers Liste" 1994 den Oscar als bester Hauptdarsteller.

Mit fortschreitendem Alter war er seitdem, bis auf wenige Ausnahmen (etwa "Tatsächlich… Liebe"), in zunehmend actionreicheren Filmen zu sehen. "Kampf der Titanen", "Das A-Team" und "Battleship" und aktuell die Fortsetzung von "96 Hours" (eine ausführliche Filmkritik finden Sie unter diesem Link) sind Beispiele aus seiner jüngsten Karriere, in denen neben Action auch noch Einspielerfolge an den Kinokassen hinzukam.

Mit "The Expendables" kondensierte Sylvester Stallone vor zwei Jahren mehr als 30 Jahre Actionkino à la Hollywood in einem einzigen Film: Neben dem 62-jährigen Action-Haudegen hatte auch Arnold Schwarzenegger, mittlerweile stolze 65, einen Kurzauftritt.

Außerdem waren Bruce Willis, der auch schon 60-jährige Mickey Rourke, Jet-Li (kaum zu glauben, aber auch der ist schon 49 Jahre alt) und Dolph Lundgren (geboren 1957 in Schweden - hier links im Bild) mit von der Partie. Jean Claude Van Damme stieß dann für "The Expendables 2" zur Altherrenriege. Am 18. Oktober wird der Belgier 52.

Mit erheblichem finanziellen Einsatz werden die alternden Stars auch in Zukunft in Szene gesetzt werden. Der fünfte Teil von "Stirb langsam" (den ersten Trailer gibt es bereits jetzt: Link) soll bereits im Februar 2013 in die Kinos kommen. Und Gerüchten zufolge sollen auch "The Expendables" eine weitere Fortsetzung finden.

Die alternden Actionstars kämpfen dabei aber um das gleiche junge Zielpublikum wie ihre deutlich jüngeren Kollegen – Werbeausgaben in Millionenhöhe inklusive.Bild: Der Film ""RED - Retired and Extremely Dangerous" spielte mit dem Klischee der alternden Actionstars: Mit Morgan Freeman, Bruce Willis, John Malkovich und Hellen Mirren in den Hauptrollen.

Dabei geht es auch anders. Denn die Generation 50+ hat nicht nur auf der Leinwand alles fest im Griff, sie wird auch als Publikum immer wichtiger.Bild: Auch Chuck Norris (geb. 1940) war Teil der alten Riege in "The Expendables 2".

Von den Hollywood-Studios als werberelevante Zielgruppe bislang unterschätzt, überraschte der Erfolg von Filmen wie "Best Exotic Marigold Hotel" und "Wie beim ersten Mal". Ihr Erfolgsrezept: Anstatt auf Werbeausgaben setzen sie auf zielgruppenorientierte Geschichten inklusive Schauspielern in altersgerechten Rollen.

Während Blockbuster nach zwei Wochen Laufzeit meist nur noch zwei Drittel der Besucher von der Vorwoche in die Kinos locken können, entwickelte sich "Best Exotic Marigold Hotel" mit diesem Rezept zum langlebigen Dauerbrenner.Bild: Der gesamte Cast bei der Premiere im Februar 2012 v.l.n.r.: Dev Patel, Celia Imrie, Tom Wilkinson, Diana Hardcastle, Bill Nighy, Dame Judi Dench, und Regisseur John Madden.

Der Indienurlaub von Judie Dench (77) und Maggie Smith (77) startete in Amerika gerade mal in 27 Kinos. Im Laufe ihrer Spielzeit wurde die Mischung aus Drama und Komödie aber auf 1233 Spielstätten in den USA ausgeweitet.

Wie auf der Filmseite moviepilot.de nachzulesen ist, schaffte es "Best Exotic Marigold Hotel" mit einem Einspielergebnis von 46 Millionen Dollar in den USA so zwar nie unter die Top 5 der Kinocharts. Weltweit spielte der Film aber stolze 134 Millionen Dollar ein und somit das 13-fache seiner Produktionskosten von 10 Millionen Dollar.

Mit dieser Rendite konnten auch die erfolgreichsten Filme dieses Kino-Sommers nicht mithalten. "The Dark Knight Rises" spielte zwar mehr als eine Milliarde Dollar ein, kostete aber auch mindestens 250 Millionen. Nicht einmal "The Avengers" waren so rentabel: Knappe 1,5 Milliarden spielte das 220 Millionen Dollar teure Action-Spektakel ein.

"Wie beim ersten Mal", der seit Ende September in den heimischen Kinos läuft, könnte die Nachfolge des Pensionisten-Dramas antreten. Meryl Streep und Tommy Lee Jones wollen darin ihrer Ehe nach 31 Jahren mit einer Paartherapie wieder Leben einhauchen. Produktionskosten von 30 Millionen Dollar stehen bisher Einnahmen von 62 Millionen gegenüber.

Die beiden Altstars haben durchaus noch Chancen sogar an den Erfolg von "Best Exotic Marigold Hotel" anzuschließen. Denn das ältere Publikum, das nicht zuletzt durch die Besetzung auch durch diesen Film angesprochen wird, besucht erfahrungsgemäß nicht gleich in den ersten Wochen in Massen die Kinos, sondern kontinuierlich über einen längeren Zeitraum hinweg.

Ein Umstand, der die Werbemaschinerie Hollywoods vor neue Herausforderungen stellt, wie der Artikel "Older Faces on Screen Draw an Overlooked Crowd“ in der New York Times darlegt. Massive Werbekampagnen scheinen fehl am Platz und so weiß man noch nicht so recht, wie man mit dem neu gewonnen - oder vielmehr entdeckten - Publikum umgehen soll.

Dabei hätte sich der Trend längst abgezeichnet. Jack Nicholson zeigte bereits 1997 wie sich ein Film allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda zum Kassenschlager entwickeln kann. "Besser geht’s nicht" spielte bei einem Produktionsbudget von geschätzten 50 Millionen Dollar stolze 314 Millionen ein.

Gemeinsam mit Morgan Freeman konnte er diesen Erfolg in "Das Beste kommt zum Schluss" wiederholen.

Der aus zahlreichen Nebenrollen in Filmen wie "Superman Returns", "Wall Street" und "Good Night and Good Luck" bekannte Frank Langella macht es Nicholson gerade nach und sammelt gemächlich aber stetig Eintrittsgelder seiner Altersgenossen an den Kinokassen. In dem Indie-Drama "Robot and Frank - Zwei diebische Komplizen" ist der 74-Jährige aktuell in Amerika - und ab 25. Oktober auch in Österreich - zu sehen.

Und noch ein Beispiel für langlebige Kinoerfolge: "The King’s Speech" wurde vergangenes Jahr nicht zuletzt deshalb zum Hit, weil der oscarprämierte Film unter anderem älteres Publikum zahlreich ansprechen konnte.

Ein Nachtrag zum Thema "Nachwuchs": Auch der 42-jährige Matt Damon hat bereits graue Haare. Ihm selbst macht dies nichts aus, sagte er kürzlich in einem Interview, aber einige Filmproduzenten störten sich daran, meint Damon ("Die Bourne Identität"). Für den Film "Wir kaufen einen Zoo" habe er sich die Haare färben müssen. Offenbar sind nicht alle in Hollywood bereit für die Revolution des Alters.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.