Hitler wird in München nicht erschossen

9. November: Robert Harris liest im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum aus "München"
Neuer Roman "München": Der britische Bestsellerautor Robert Harris schreibt diesmal die Weltgeschichte nicht um.

Heute erscheint "München", der nächste Spagat zwischen Fakten und Fiktion des britischen Schriftstellers Robert Harris.

Harris hat Cicero an die Macht geführt ("Imperium"), er hat bei der nächsten Papstwahl den Bischof von Bagdad zum aussichtsreichen Kandidaten gemacht ("Konklave") – jetzt ist er zu Hitler zurückgekehrt.

Vor 25 Jahren debütierte Harris mit dem Thriller "Vaterland": Deutschland gewann den Krieg, die Nationalsozialisten regieren ganz Europa, Hitler feiert seinen 75. Geburtstag.

Als das Buch in Großbritannien in den Handel kam, war der deutsche Botschafter in London "äußerst besorgt" ... was fürchtete er denn? Die Übersetzung ins Deutsche. Auch sie war ein Erfolg. "Vaterland" war ein Welterfolg.

Das Münchner Abkommen vom 29. September 1938 beschäftigt Harris seit dessen Jahren als Politik-Redakteur des Observer.

Die Großmächte erlaubten Hitler, sich in der Tschechoslowakei des Sudentenlandes mit den drei Millionen Deutschen zu bemächtigen.

Dafür versprach er den Frieden; und marschierte in der "Rest-Tschechei" ein. Dann in Polen.

Keine Alternative

Robert Harris hält sich in "München" so sehr an vier Tage Weltgeschichte, dass man sich anfangs darüber wundert; und dann fast erleichtert ist: Man bekommt keine spannende Alternative mit Hitlers Ermordung oder so, sondern ein einprägsames Bild vom Weg in den Krieg. Nur die Zwischenräume füllt der 60-jährige Bestsellerautor mit Erfundenem:

Chamberlains Privatsekretär und ein deutscher Diplomat kennen einander vom Studium in Oxford ... gemeinsam soll der britische Premierminister davon überzeugt werden, dass man mit Hitler keinen Vertrag schließt, sondern Nazi-Deutschland unverzüglich angreifen muss.

Robert Harris porträtiert Neville Chamberlain und dessen Nicht-Handeln freundlicher, als es Historiker tun. Das hat in England, als der Roman dort im September herauskam, für Verwunderung gesorgt.


Robert Harris:München
Übersetzt von
Wolfgang Müller.
Heyne Verlag.
432 Seiten.
22,70 Euro.

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