Kultur
18.11.2017

Hitchcock hätte das gern gemacht

... aber nicht so gut wie Ottessa Moshfegh: Der Roman "Eileen" machte sie berühmt.

Es dauert 100 Seiten, bis man weiß, dass man "Eileen" nicht bloß lesen will, sondern geradezu MUSS. Dann wird man an Hitchcock denken und verstehen, warum die Amerikanerin Ottessa Moshfegh spätestens seit diesem schmutzigen, hasserfüllten, eiskalten Psychothriller eine Berühmtheit ist.

Schwarz im Grau

Zunächst herrscht angespannte Trostlosigkeit anno 1964 in einer US-Kleinstadt. Die 24-jährige Eileen ist Hascherl und Biest. Sie ist wie eine leere Wand. Ihr Vater ist ein Säufer, das Zuhause ist genug Gefängnis, im Jugendgefängnis der Stadt arbeitet sie als Sekretärin.

Dort werden die Burschen zusätzlich bestraft, wenn sie masturbieren, und niemand will wissen, was für einen Grund ein Bub hatte, seinem Vater die Kehle durchzuschneiden. Eine neue Mitarbeiterin sticht aus dem Grau heraus. Eine Rothaarige, die vergleichsweise aussieht wie eine bunte Wand. Aber schwarz ist. Ebenfalls schwarz. Persönlicher Lieblingssatz, trotzdem: "Auf die Hoffnung!"


Ottessa Moshfegh:
„Eileen“
Übersetzt von
Anke Caroline Burger.
Liebeskind
Verlag.
336 Seiten.
22,70 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern