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Helene Hegemann
08/27/2013

Das "ausgedingste" Gras auf der Alm ist gerade noch erträglich

"Jage zwei Tiger": Der zweite Roman der jungen Berliner Schriftstellerin ärgert trotz der guten, katastrophalen Geschichte zweier Jugendlicher.

von Peter Pisa

Konzentrieren wir uns auf den Roman und nicht auf die Berliner Autorin, die für ihr Debüt „Axolotl Roadkill“ 2010 in den Himmel gelobt und dann unter Plagiatsverdacht fallen gelassen wurde (wegen einiger Sätze, die sie ohne Quellenangabe eingebaut hatte).

Ein Jojo fürs Feuilleton.

Konzentrieren wir uns auf „Jage zwei Tiger“. Der Titel soll heißen: Scheitern ist sowieso angesagt. Also möge man nicht gleichzeitig zwei Hasen jagen (und dann bestenfalls einen treffen). Sondern gleich zwei Tiger: Wenn schon, dann ordentlich in die Katastrophe. Seltsam, dass Hegemanns traurige Romanfiguren am Schluss – heiraten.

21 ist sie eben geworden, und dass sie sprachlich etwas zu bieten hätte, ist sofort klar. Hoffentlich tut sie’s demnächst. Hoffentlich glaubt sie in ihrem dritten Roman dann nicht mehr, cool und schnoddrig sein und alle Leser niederreden zu müssen. Dass das Gras auf der Alm „ausgedingst“ ist, hat ja was.

Und dass das Essen bloß ein „Curryscheiß“ ist, kann ja vorkommen.

Sogar Dialoge in der Art „Scheiß drauf.“ – „Egal, scheiß drauf“ ... sind durchaus berechtigt (weil ’s ja mit unter gute Philosophie ist).

Kolossal

Aber wozu mischt sich die Stimme, die alles erzählt, im gleichen Ton ein? Zum Beispiel beschreibt sie, dass sich eine gewisse Cordula „kolossal auf die Fresse“ gelegt hat. Und dann, macht die Erzählerin noch etwas äußerst Unangenehmes: Sie erklärt den Roman. Einmal sagt sie: „Es geht an dieser Stelle nicht um eine möglichst authentische Schilderung dieser großen, krassen, gelangweilten Welt der Finsternis.“

Ein anderes Mal, wenn ein Eichhörnchen ausgeweidet wird, ruft sie uns zu: Ja, mein Gott, das ist die Kompromisslosigkeit der Jugend!

Nein, das ist Blabla, und das hält man kaum durch, obwohl die Geschichte durchaus interessiert. Weil sie überraschend positiv ist. Denn wenn man als Elfjähriger mit Mama im Auto fährt und von einer Autobahnbrücke werfen Jugendliche einen Stein hinunter, der aufs Auto fällt und Mama erschlägt ... und wenn der Bub, Kai heißt er, noch dazu einen Vater hat, der sagt, er könne sowieso nicht verhindern, dass Kai Mathehausaufgaben nicht macht und später Drogen nimmt ... so ist es ein Wunder, dass er unter diesen Bedingungen überhaupt zum Leben kommt. Bei Cecile, einem Wrack mit 14, ist es ganz ähnlich.

Und wenn man von den beiden so auf „alt“ und „uncool“ erzählt hätte? Hätte es fein werden können.

KURIER-Wertung: *** von *****

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