Kultur
07.11.2018

Haus der Geschichte Österreich: Ein erster Rundgang

Die neue Institution am Heldenplatz hat zuwenig Platz, was der Eröffnungsausstellung auch anzumerken ist.

Ist es nun ein Haus? Ein Korridor? Ein Museum? Oder doch nur eine temporäre Ausstellung aus Anlass des Republiks-Jubiläums? 

Fest steht, dass das " Haus der Geschichte Österreich" (HDGÖ) ab Samstag, den 10. November, für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Und das ist schon ein Grund zur Freude, wie Direktorin Monika Sommer nicht müde wird zu betonen: Das Haus zur Vermittlung österreichischer Zeitgeschichte seit 1918 war jahrzehntelang ein politischer Spielball, bevor es sich nun auf der relativ geringen Ausstellungsfläche von rund 750 m² in der neuen Burg am Heldenplatz materialisierte.

Die vielen Begehrlichkeiten und Visionen, die auf das HDGÖ projiziert wurden, haben in der auf eine eineinhalbjährige Laufzeit angelegten Eröffnungsausstellung "Aufbruch ins Ungewisse - Österreich seit 1918" freilich Spuren hinterlassen. Denn die Präsentation versucht, nicht nur diverse erzählerische Inhalte, sondern auch verschiedenste Diskurse und Debatten unter ein Dach zu bringen und sich gleichzeitig fortschrittlich zu geben. Zugleich scheint sie die beengten Raumverhältnisse zu ignorieren. Das Ergebnis wirkt so, als hätte man alle zeithistorischen Ausstellungen der letzten 20 Jahre auf wenige Kubikmeter verdichtet und in den Raum gestapelt: Die Orientierung ist innerhalb dieses Parcours schwierig und beansprucht genau jenes historische Grundwissen, um dessen Vermittlung sich das Haus ja eigentlich bemühen wollte.

Das Team um Direktorin Sommer hat die Ausstellung in sieben Bereiche gegliedert, wobei das Architekten-Team BWM jedem Sektor ein anderes Ausstellungsdisplay verpasste:  Nach einer Darstellung zur Geburtszeit der Republik im ersten Saal geht es um Wirtschaft, Diktatur und das österreichische Selbstbild, danach um Grenzen und um das Thema Gleichberechtigung. Parallel dazu läuft entlang einer Wand eine Art Regalstruktur, auf der Leuchtschriften die Jahrzehnte von 1918 bis 2018 markieren. In dieser Sektion soll es um die Rolle von Bildern im Verlauf der jüngeren Geschichte gehen.

Allein: die Präsentation wirkt nicht nur enorm gedrängt, sie lässt auch kaum  einen Wechsel zwischen Haupt- und Nebensträngen der Geschichtserzählung zu. Auch wenn manche Phasen - etwa die Zeit der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur von 1933 bis 1938 - in Vitrinen anhand von Texten und Objekten halbwegs linear erzählt werden, ist eine Priorisierung in der Gesamtschau kaum zu erkennen. Von der Abdankung  Kaiser Karls anno 1918 zur Geschichte einer kleinen Porzellanmanufaktur jener Zeit ist es nur ein kleiner Schritt, von der "Roma zurück nach Indien" - Tafel, die der Attentäter von Oberwart 1995 bei seiner Rohrbombe platzierte, ist es nicht weit bis zu Conchitas Songcontest-Kostüm von 2014.

Die Vielstimmigkeit der Präsentation ist wohl dem postmodernen Geschichtsbild und seinem Misstrauen gegenüber so genannten "Master-Narrativen" geschuldet. Den vielen spezifischen Studien und Erzählungen, die - mehr oder weniger nachvollziehbar - ihren Weg ins "Haus der Geschichte" gefunden haben, wird die Präsentation allerdings auch kaum gerecht, zumal ihr Bezug zum Ganzen oft fehlt. Im Gedränge von Originalobjekten, Reproduktionen, Texten und Dokumenten ist auch oft nicht klar, welches Medium nun die Geschichte erzählen soll: man wünscht sich, dass die komprimierte Materialsammlung irgendwann die Möglichkeit erhält, in kleineren Paketen zu wirken.