Kultur
08.07.2017

Hatsche Stratsche gibt dem Ballon heiße Luft

Metrische Taktlosigkeiten: Lisa Eckharts gereimtes Theater kommt nach Hause und man selbst geht lieber ins Theater

Ihr Vortrag ist derart selten-seltsam, derart hypnotisierend, dass es garantiert Probleme bereitet, wenn man sich’s nun selber vortragen muss gewissermaßen, im Bett vielleicht und/oder in der Unterhose:

"Land der Berge, Land der Dome, / schwimmst du auch gerne mit dem Strome, / drehst Fähnchen oft nach dem Gesinde, / fehln dir auch Schrauben im Gewinde ..."

Diese andere Bundeshymne kann unter diesen Umständen niemals so geschliffen klingen.

Aber ihr ist, sagt Lisa Eckhart – Germanistin und Poetry Slammerin und preisgekrönte Kabarettistin, geboren 1991 in Leoben –, ihr ist es lieber, man sagt "Scheißdreck" dazu, als man sagt gar nichts. Hauptsache, sie ist in unsere Köpfe gelangt.

Lisa Eckharts Texte sind im Theaterverlag Schultz und Schirm, an dem Michael Niavarani beteiligt ist, als Buch = Heft veröffentlicht worden.

Faustria

Meist reimt sie. Es sei ein einprogrammierter Virus, das jeden Text von ihr sofort in Reime setzen will.

Es sind einfache Reime, man muss sich nicht fürchten vor ihnen, man muss nicht einmal lachen über sie, es reicht völlig, wenn’s ein bissl wehtut ... wenn sie etwa "Faustria, der Tragödie dritter Teil", dichtet, mit einem Mephisthoferles, der in die Hofburg will bzw. Hatsche Stratsches Luftballon aufsteigt – er braucht keine heiße Luft, "der Stratsche redt nur direkt rein!"

Bleibt aber nach wie vor die Frage, ob das funktioniert abseits der Bühne. Ja, sind denn Bob Dylans Liedtexte gut zu lesen? Manchmal. Und Ernst Molden? Überraschend oft sind sie es.

Bei Lisa Eckhart geht sich’s selten aus. (Man stelle sich das neue Programm der "Staatskünstler" als Buch vor; lieber nicht.) "Metrische Taktlosigkeiten" machen immerhin Lust, die 24-Jährige und ihre gespielte Arroganz live zu erleben.

Da bleibt man dann nicht an jedem Wort von ihr kritisch hängen, sie redet ja schneller, als man lesen kann. Und die notwendigen Provokationen bleiben besser haften.


Lisa Eckhart:
„Metrische Taktlosigkeiten
Schultz & Schirm Bühnenverlag.
137 Seiten.
13 Euro.

KURIER-Wertung: ***