© APA/AFP/VALERIE MACON

Kultur
10/05/2021

Halle Berry hat "nie zuvor meine Power als schwarze Frau so sehr gespürt"

Die Oscar-Gewinnerin über ihre erste Regiearbeit, über den Glauben an sich selbst und die Fortschritte, die MeToo und Black Lives Matter gebracht haben.

von Elisabeth Sereda

In den 1980er Jahren, und leider auch später, schafften schwarze Schauspieler ihren Durchbruch meist in der Rolle von Drogensüchtigen. So auch Halle Berry. Entdeckt von Spike Lee in „Jungle Fever“ und nach ihrem Auftritt in Warren Beattys „Bulworth“, hätte sie ganz schnell von der Bildfläche verschwinden können. Dem stand ihr übergroßes Talent und eine treffsichere Auswahl von Projekten im Weg. Für den Part einer frühen Vorreiterin Hollywoods, Dorothy Dandridge, gewann sie einen Golden Globe. Für das Drama „Monster’s Ball“ dann 2001 den Oscar als erste schwarze Hauptdarstellerin. Geld verdiente sie als Storm in der X-Men-Franchise, als Catwoman und als Bondgirl.

Aber all das war der in Cleveland, Ohio, geborenen Schauspielerin nicht genug: knapp vor Ausbruch der Pandemie wagte sie den Schritt hinter die Kamera. Ihr Regiedebut „Bruised“ über eine Boxerin, in dem sie auch selbst die Hauptrolle spielt, kommt im Herbst weltweit ins Kino.

KURIER: Sie führen bei „Bruised“ zum ersten Mal Regie und spielen selbst mit. Es gibt wohl keinen Schauspieler, der sich da nicht irgendwann an den Kopf greift und denkt, „was habe ich mir da angetan?“

Halle Berry: Und glauben Sie mir, es ging mir nicht anders! Besonders, weil ich dieses Drehbuch fand und anfangs ja nur die Rolle spielen wollte. Aber ich hatte auch als Produzent die Option darauf und suchte verzweifelt nach einem Regisseur. Die Vorstellung, dass ich eine so große Rolle spielen und gleichzeitig Regie führen würde, kam mir bizarr vor. Aber als wir keinen Regisseur fanden, der die Story so klar sah wie ich, sagte ich zu allen Frauen in meinem Leben, von meiner besten Freundin bis zu meiner Agentin, „vielleicht muss ich das selbst angehen, ist das verrückt?“ Und alle reagierten gleich: „Mach es! Hör auf, dich kleiner zu machen als du bist. Du kannst das!“

Hatten Sie es schwerer als andere?

Es war der härteste Job, den ich je hatte. Aber ich habe das schon von vielen Kollegen gehört. Einen Film auf die Beine zu stellen ist immer verdammt mühsam, ich war also nicht überrascht. Ich bin da kein Einzelfall, nicht die erste, die das versucht, und nicht die erste, die Hindernisse aus dem Weg räumen musste. Aber als dann professionelle Filmemacher und Produzenten, die 30 Jahre im Geschäft sind, zu mir sagten, „ich habe in meinem ganzen Leben nie eine schwierigere Produktion erlebt“, dämmerte es mir, dass ich vielleicht doch eine Ausnahme bin und meine Reise hinter die Kamera eine besonders anstrengende.

Was hat Ihnen geholfen?

Der Charakterzug, der sich jedes Mal offenbart, wenn es hart wird: okay, da muss ich jetzt durch. Das ist immer meine Lebenseinstellung gewesen, und sie hat sich hier besonders bezahlt gemacht. Ich habe es auf geschafft und den Film fertig gedreht bevor der Lockdown begann. Dann kam die nächste Challenge. Der Schnitt, den wir natürlich nicht nett nebeneinander im Schneideraum machen konnten, wo man eine gute direkte Beziehung zum Cutter aufbaut, sondern via Zoom an gegenüber liegenden Küsten, ich in L.A., er in New York. Die geografische Situation war gewöhnungsbedürftig.

Was lieben Sie an dem Film?

Dass es ein klassischer Boxer-Film ist, in dem wir für die Außenseiterin sind. Das Publikum liebt das. Vergessen wir nicht, dass das Originaldrehbuch für eine 25-jährige Weiße geschrieben wurde, nicht für eine mehr als doppelt so alte Schwarze. Aber die Seele dieser Geschichte kam durch: Die psychisch und physisch verwundete Figur auf der Suche nach Erlösung. Die Person, die am Ende immer noch steht. Damit können wir uns alle identifizieren, denn wir haben alle Existenzängste und Hindernisse, die wir überkommen müssen.

Vor fast 30 Jahren, als wir uns zum ersten Mal trafen, haben Sie mir erzählt, dass man sich als Frau, und besonders als schwarze Frau im Filmbusiness nicht zu viel erwarten darf. Haben wir den gläsernen Plafond zerschlagen?

Wir haben ganz sicher damit begonnen. Globale Bewegungen wie MeToo und Black Lives Matter haben dazu geführt, dass wir nicht nur anders behandelt werden, sondern dass wir auch selbst einen höheren Standard verlangen, weil uns endlich klar ist, dass wir dazu absolut das Recht haben. Ich weiß, dass ich nie zuvor meine Power als schwarze Frau so sehr gespürt habe wie in den letzten zwei Jahren. Ich kann jetzt Geschichten verfilmen, mit denen sich schwarze Frauen, Schwule und Transgender identifizieren können, weil es ihre Geschichten sind und sie sich auf der Leinwand und dem Bildschirm noch nie so sehr wiedererkannt haben wie in diesen letzten zwei Jahren. Das war ein langer harter Kampf, aber wir sind wirklich weitergekommen.

Haben Sie tief drinnen immer gewusst, dass Sie alles erreichen können?

Ich hatte keine Ahnung. Ich dachte mir, okay, jetzt hast du den Miss-Teen-America-Bewerb gewonnen, jetzt machst du die Schule fertig, studierst Journalismus und bereist die Welt als Nachrichtenreporter. Das Angebot zum Modeln war eine Überraschung, dass Spike Lee mir die Rolle in „Jungle Fever“ gab genauso. Und alles andere ebenfalls. Irgendwann dachte ich, es wäre schön, wenn ich auch irgendwann produzieren kann und vielleicht sogar regieführen. Aber meine Idee war, dass ich mit einem Kurzfilm beginne!

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