Gunkl: Die Problemzonen des Denkens

Günther Paal alias Gunkl: "Dass wir nach dem Sterben nicht tot sind, das hätte uns gefallen. Aber, dass der Mensch so ist, wie er ist, kränkt uns erstaunlicherweise gar nicht"
Foto: KURIER / Stephan Boroviczeny

Plaudern mit Günther Paal alias Gunkl über sein neues Solo, Palliativgarderobe, Pleampeln und menschliche Aspekte, die zum Weinen sind.

Die körperlichen Problemzonen beim Menschen kennt jeder: Hüftspeck, Orangenhaut, Tränensäcke ...
Auch jene des Denkens, wenn einer denkt, dass er einen klaren Gedanken fassen kann, werden gern versteckt.
Aber Günther Paal alias Gunkl will sie in seinem neuen Programm aufarbeiten: "Die großen Kränkungen der Menschheit - auch schon nicht leicht" (Premiere: 1. September in der Kulisse).

Worum geht's dabei konkret? "Philosophische Problemzonen gibt es, eigentlich weiß man das auch, aber man schaut sie sich nicht sooo gern an", sagt der Querdenker und "Experte für eigentlich eh alles" im KURIER-Gespräch.

Tiefgründige Komik und Hirnakrobatik

"Da hängt man was drüber, und wenn man das lange genug macht, glaubt man schließlich sogar selbst, dass man halt einfach gern weite Kleidung trägt, weil die halt so angenehm ist, und nicht, weil das genau genommen Palliativgarderobe ist. Und so was gibt es auch beim Denken."

Nach "Verluste - eine Geschichte" legt Gunkl sein 10. Solo "Die großen Kränkungen der Menschheit" als Vortrag an - "nicht zum Mir-Folgen, sondern zum Anhören".
Es oszilliert um die Frage: Was kränkt uns und warum?
"Dass wir nicht die Krönung der Schöpfung sind, weil es keine Schöpfung gegeben hat", so Gunkl, "das sind so Sachen, die der Menschheit schon einigermaßen derbe Hiebe ins Gebälk des Selbstverständnisses gegeben haben."

Oder: "Dass die Erde keine Scheibe sondern eine Kugel ist. Und dass wir dabei nicht oben leben, sondern nur außen dran", erklärt der Intellektuelle unter den Kabarettisten. "Und das ist schon ein Unterschied."

Wobei erstaunt: Dass den Menschen so gar nicht kränkt, dass er ist, wie er ist.
"Es wäre schon angebracht, dass wir ein bisschen in Sack und Asche gehen und uns Asche aufs Haupt streuen", sagt Gunkl, um es mit der ihm ureigenen Logik zu begründen: "Der Mensch trägt Aspekte in sich, die sind zum Weinen. Da müssten wir uns eigentlich ein bisserl genieren."

Was Gunkl Frauen "ganz generell" vorwerfen kann? "Dass sie sich tatsächlich noch mit Männern belasten. Nicht böse sein, aber mit diesem Pleampel-Volk sollte man sich nicht abgeben."
Das neue Solo ist aller Erwartung nach wieder eine sehr eigenständige Art der Weltbetrachtung. Höhere Hirnakrobatik für Ausgeschlafene. Ein scharfsinniges Kabinettstückerl voll humoristisch angewandter Philosophie.

Tot ist tot

Amüsantes zum Nachdenken, vom Vordenker griffig formuliert: "Überraschenderweise stört es uns meist nicht, dass wir gewisse Sachen einfach nicht besser zusammenbringen. Dass wir es nur sehr selten und mühsam schaffen, etwas für alle zu bewerkstelligen. Denn gemessen am Anspruch, den wir an uns Menschen und an die Menschheit haben, ist das Ergebnis doch sehr dürftig. Aber merkwürdigerweise kränkt uns das gar nicht."
Und verweist am Ende noch auf diese überaus hartnäckige Idee, dass wir nach dem Sterben nicht tot sind.

"Die gefällt uns bis heute. Aber tot ist tot", sagt der Agnostiker Gunkl. "Und da ist nichts. Wir können uns ,nichts' nur nicht vorstellen. Und so können wir die Idee, dass nach dem Tod
irgendetwas ist, nicht aufgeben."
Die Konsequenz, dass man das Nichts im Jenseits akzeptiert, ist für Gunkl, "dass jeder im Hier und Jetzt darauf schauen sollte, dass es auf der Welt allen gut geht."

Gunkl: Humorist und Querdenker

Programm: Kaum hat Gunkl den Prix Pantheon 2011 in der Kategorie "Frühreif und Verdorben" erhalten und Humoristisches im Band "Tip des Tages: zehn Jahre" (Amalthea) veröffentlicht, ist auch schon sein nächstes Programm fertig: "Die großen Kränkungen der Menschheit - auch schon nicht leicht".

Wann & Wo: Premiere ist am 1. September (20 Uhr) in der Kulisse; Folge-Vorstellungen bis Ende September in Kulisse, Orpheum und Stadtsaal.

(KURIER) Erstellt am
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