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Kunst
07/14/2015

Großes Kino am Kaiserhof

Die KHM-Schau „Fäden der Macht“ zeigt Highlights der Tapisserien-Sammlung aus dem 16. Jahrhundert

von Michael Huber

Die Kollegen von der Gemäldegalerie können mir jederzeit widersprechen, aber ich traue mich zu sagen: Im 16. Jahrhundert wurde mehr Geld für Tapisserien ausgegeben als für Gemälde.“

Kuratorin Katja Schmitz-von Ledebur hat mit ihrem Team lange gearbeitet, um einen wenig bekannten Schatz nach langer Zeit wieder öffentlich strahlen zu lassen: An die 750 Tapisserien umfasst die Sammlung des Kunsthistorischen Museums, die zweitgrößte ihrer Art weltweit, und doch sind die Bildteppiche nicht halb so bekannt wie die Werke Tizians oder Rubens’, die nun ein paar Säle weiter hängen.

14 Tapisserien aus dem 16. Jahrhundert, nahezu alle in Brüssel gefertigt, präsentiert das Museum nun in materialschonend spärlich erleuchteten Räumen. Die zehn Kartons zum Zyklus „Kaiser Karl V. erobert Tunis“ im 2. Stock des Hauses ergänzen die Schau.

Kein Postkartenformat

14 Werke klingt nach wenig, doch mussten dafür mehr als 300 m² Teppich inspiziert und teils restauriert werden. Die schwierige Erhaltung und das unhandliche Format sind die Hauptgründe dafür, dass Tapisserien es kaum in Blockbuster-Ausstellungen schaffen – doch die riesigen Wandbilder erfordern auch eine andere Art des Sehens, als es Tafelbilder tun.

Für Herrscher – unter den Habsburgern tat sich besonders Karl V. (1500 – 1558) durch Aufträge hervor – waren die Teppiche Bestandteil der Selbstinszenierung: Auf Banketten, bei Turnieren und Staatsakten bewegte sich die Elite in einer Art gewebter Kulissenwelt, die von mythologischen und biblischen Figuren oder von Feldzügen erzählte. Zugleich wurde mit Goldfäden, mit teuren Farben und natürlich mit Größe Status demonstriert.

Ein hilfreicher Teil der Ausstellung präsentiert Gemälde und Stiche, in denen Tapisserien als Ausstattung bei Festen zu sehen sind. Populäre Darstellungen höfischer Kultur in aktuellen Serien und Filmen ignorieren diesen Show-Effekt oft: Meist empfängt der König da in einer kahlen Steinhalle.

Die KHM-Schau fordert jedoch dazu auf, in Bilder einzutauchen: Ein „Überblick“, bei dem man kopfnickend zum nächsten Werk geht, stellt sich schwer ein, dafür wird der Blick immer wieder von Details gefesselt. Bereitgestellte Ferngläser helfen, sich auf diese zu fokussieren.

Als umfassende Schau-Erlebnisse sind die Tapisserien manch heutiger Kunst näher, als man zunächst annehmen möchte. Eine Videoprojektion der Schweizerin Nives Widauer, in dem eine Figur in einem Teppichfragment „verschwindet“, macht dies in der Schau nochmals offensichtlich.

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Info

Bis 20.9. 2015, Kunsthistorisches Museum, Burgring 5, Wien. Die Präsentation der Kartons zum Tapisserie-Zyklus "Kaiser Karl V. erobert Tunis" ist auf unbegrenzte Dauer im 2. Stock des Museums installiert.

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