Große Liebe im Verfall

"AMOUR" Michael HANEKE
Foto: Denis Manin Michale Haneke bei den Dreharbeiten zu „Amour“ mit Emanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant als Ehepaar.

Michael Hanekes oscarnominierter Film wieder verstärkt im Kino.

Es dürfen noch mehr werden. 72.000 Österreicher haben bisher Michael Hanekes „Amour“ im Kino gesehen. Gemessen an der nicht ganz so preisgekrönten Literaturverfilmung „Die Wand“, die auch schon bei stolzen 82.000 Zuschauern hält, noch gar nicht mal so viele.

Jetzt, nach fünf Oscarnominierungen, dürfte aber „Liebe“ – wie der Film auf Deutsch heißt – zweifellos noch mehr geliebt werden. „Der Film wird seit gestern verstärkt im Kino eingesetzt“, heißt es seitens des heimischen Verleihers Filmladen. Bis zur Oscarverleihung am 24. Februar wird man die Zahl der Kinos gar verdoppelt, in denen er zu sehen ist. Zur Zeit läuft das Sterbedrama österreichweit in insgesamt zwölf Lichtspielstätten, darunter in Wien, St. Pölten, Graz und Linz.

Tatsächlich weiß Michael Hanekes wunderbare Liebesstudie eines alten bürgerlichen Musiker-Ehepaares zu rühren. Was nicht gerade typisch für das Werk dieses sonst eher radikalen Filmemachers ist. Die Ehefrau (oscarnominiert: Emanuelle Riva) erleidet einen Schlaganfall, wird halbseitig gelähmt und ist völlig von ihrem Ehemann (Jean-Louis Trintignant) abhängig, Eine große Liebe im Angesicht des Verfalls. Doch „Amour“ ist kein deprimierendes Sterbedrama. Vielmehr spannt Haneke das Elend des Alters in den Rahmen einer tiefen Liebesbeziehung, die noch einmal zum Leuchten gebracht wird.

Kammerspiel

Selten hat sich die internationale Filmwelt in einem Jahr derart unisono auf einen Film geeinigt wie heuer auf „Amour“. Fast alle Kritikerpreise gingen an das Zweipersonen-Kammerspiel. Die New York Times und das Time Magazine erkoren ihn zum besten des Jahres. Insoferne waren auch Oscarnominierungen absehbar.

Dass allerdings „Amour“ am Donnerstag sowohl in der Königsklasse des besten Films als auch in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert wurde, ist eine echte Seltenheit bis Sensation: Das haben in der Oscar-Geschichte bisher nur drei andere Regisseure geschafft: Costa Gavras mit „Z“ (1969), Ang Lee mit „Tiger and Dragon“ (2000) und Roberto Benignis „Das Leben ist schön“ (1997). Alle drei sind übrigens mit dem Auslandsoscar nach Hause gegangen. Am Sonntag gilt Haneke jedenfalls auch als Favorit für den Golden Globe „Bester fremdsprachiger Film“. Den hat er ja auch schon für „Das weiße Band“ im Regal. Nur der Oscar fehlt ihm noch.

(kurier) Erstellt am
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