Gorillamaske und ein historisch inspirierter Künstlerinnen-Name sind Pflicht: Frida Kahlo, Gründungsmitglied der Guerrilla Girls.

© KURIER/Gilbert Novy

30 Jahre Guerrilla Girls
01/22/2015

Gorilla-Frauen gegen Macht und Geld

Frida Kahlo, Mitbegründerin der feministischen Kunst-Aktionsgruppe, im Gespräch.

von Michael Huber

2014 war ein Jahr des Aufstiegs für Frauen in der Kunstwelt", jubilierte Sotheby’s eben erst in einer Presseaussendung. Das Auktionshaus hatte nämlich einen Rekordpreis von 44,4 Millionen US-Dollar für ein Bild der Malerin Georgia O’Keeffe erzielt.

"Eine Ausnahme", sagt Frida Kahlo ungerührt. Die Mitbegründerin der Gruppe Guerrilla Girls ist dagegen, den Wert von Kunst an ihrem Geldwert festzumachen: "Der Markt korrumpiert die Kunst, denn er wird vom Geschmack von Milliardären dominiert. Und ich denke, es ist verrückt, unsere Geschichte nach diesen Maßstäben zu erzählen."

Seit nunmehr 30 Jahren wettern die Aktivistinnen gegen Schräglagen und Ungerechtigkeiten in der Kunstwelt: Der Betrieb, der sich gern weltoffen und aufgeklärt gibt, sei in vielen Dingen rückständig und in jüngster Zeit kaum demokratischer geworden, sagt Kahlo.

Wie (fast) alle Guerrilla Girls wählte Kahlo den Namen einer berühmten Künstlerin als Pseudonym; eine Gorillamaske ist bei allen öffentlichen Auftritten Pflicht. "Wir können so Dinge sagen, die viele Frauen im Kunstbetrieb nicht sagen können, weil sie Karriere-Selbstmord begehen würden", erklärt die Künstlerin , die am Mittwoch auf Einladung der Akademie der bildenden Künste und der Plattform "Depot" einen Vortrag in Wien hielt.

Satirische Pamphlete

Mit pointierten, satirischen Plakaten, die oft auf Bussen oder auf Plakatwänden affichiert wurden, machten die Guerrilla Girls von sich reden. Die mangelnde Berücksichtigung von Frauen in Museumssammlungen und Ausstellungen war oft Ziel ihrer Kritik. Doch auch die in jüngster Zeit verstärkt praktizierte "Entdeckung" und späte Würdigung lange unterrepräsentierter Künstlerinnen – in Österreich wäre hier etwa Maria Lassnig zu nennen – hat für Kahlo ihre Tücken.

"Vielleicht sucht die Kunstwelt gerade ja nach Inventar, das sie herzeigen kann", sagt sie. "Doch die Geschichte der Künstlerin, die lange übersehen wurde und kurz vor ihrem Tod wiederentdeckt wird, ist im Grunde nur ein weiteres Klischee. Die Künstlerinnen können da nichts dafür – diese Sichtweise kommt aus einer Welt, die sehr engstirnig denkt und Frauen primär als Außenseiter sieht."

Gegen den Geniekult

Die Vorstellung des genialen Künstlers, der in einem heroischen Akt "Meisterwerke" schafft, die dann um viel Geld zu kaufen sind, sei dagegen nach wie vor sehr dominant, befindet Kahlo. "Es gilt, dieses Stereotyp zu ändern." Auch wenn die Guerrilla Girls dafür kein Patentrezept haben ("wir wissen nicht, wie das System zu reparieren ist, wir beschweren uns nur"), machen sie doch meist einen Bogen um den Kunstmarkt: "Wir verkaufen T-Shirts, Bücher, halten Vorträge und nehmen an vielen kleinen Formen des Austauschs teil."

Das System der Universitäten und Kunstakademien, an denen in den vergangenen Jahrzehnten zahllose Institute für "Gender Studies" und andere Untersuchungsformen sozialer Machtverhältnisse geschaffen wurden, ist für die Gruppe eine zentrale Plattform.

Die Gefahr, dass der Aktivismus dabei im Elfenbeinturm verharrt und in der Gesellschaft wenig bewegt, weist Kahlo von sich: "Zunächst ist diese akademische Welt nicht klein. Und sie ist die Zukunft: Die Leute kommen aus diesen Schulen in die Alltagswelt und handeln nach Prinzipien der Gleichbehandlung; jede Generation wird mehr Verständnis entwickeln. Feminismus steht auf der richtigen Seite der Geschichte."

www.guerrillagirls.com

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