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Kultur
04/27/2019

Gitarrist Steve Hackett spielt in Wien Genesis-Klassiker

Heute, Samstag, spielt der Brite im MuseumsQuartier neben Solo-Songs das legendäre Album "Selling England By The Pound".

Als wäre es gestern gewesen, kann sich Steve Hackett an seine erste Audition für Genesis im Dezember 1970 erinnern. „Es war im Hause meiner Eltern“, erzählt der 69-Jährige im KURIER-Interview. „Peter Gabriel und Tony Banks waren gekommen, nachdem ich im Melody Maker ein Inserat geschalten hatte, dass ich Anschluss an Musiker suche, die, wie ich, entschlossen sind, stagnierende Musikformen zu überwinden. Ich spielte für Peter und Tony einen straighten Blues, ein hartes, brutales Stück und etwas Idyllisches. Das mochten sie am liebsten, es war ruhig und jazzig. Es hat ihnen auch gefallen, dass ich die 12-saitige, akustische Gitarre spielen konnte.“

Wetteifern

Hackett bekam den Job, war sieben Jahre Mitglied der das Progressive-Rock-Genre mitbestimmenden Band. 1977 stieg er aus. Peter Gabriel hatte Genesis schon verlassen und die Musik ging in eine kommerziellere Richtung, die Hackett nicht gefiel. „Ich habe es geliebt, mit diesen Leuten zu arbeiten. Wir waren ein extrem talentiertes Team. Aber wir waren auch wetteifernd und haben nicht immer gut kooperiert. Wo anfangs Kommunikation war, war später Stille.“

Für Genesis markierte Hacketts Ausstieg den Start in die Karriere-Phase als Stadion-Rock-Band, die sich anstatt auf komplexe Konzeptalben auf Hitsingles wie „I Can’t Dance“ und „Invisible Touch“ konzentrierte.

 

Hackett, danach in seiner Solo-Karriere moderat erfolgreich, gibt zu, damals manchmal eifersüchtig auf den Erfolg seiner Ex-Kollegen gewesen zu sein. Aber: „Ich hätte mich mit dieser Musik nicht wohl gefühlt. Heute weiß ich, ich war bei Genesis in der Zeit, die in meinen Augen die beste der Band war.“

Wenn Steve Hackett heute, Samstag, im Wiener MuseumsQuartier auftritt, spielt er deshalb sein Lieblings-Genesis-Album „Selling England By The Pound“ von 1973 komplett durch. „Im Rest des Programms konzentrieren wir uns auf meine liebsten Solo-Alben, nämlich ,Spectral Mornings‘ und ,,At The Edge Of Light‘“.

 

Letzteres ist im Februar erschienen und eine kraftvolle Fortsetzung des Progressive-Rock-Sounds von damals. Hackett fusioniert dabei mit Feingefühl und Virtuosität Rock, Blues, Klassik und Traditionelles aus anderen Kulturen. „Wie bei Genesis interessiert mich auch heute noch das Verbinden von Dingen, die nicht zusammen gehören“, erklärt er.

Exotische Instrumente

Dazu zählt das Einbinden exotischer Instrumente, weshalb auf „At The Edge Of Light“ das iranische Saiteninstrument Tar und die armenische Flöte Duduk zu hören sind.

Erst Ende 2018 war Hacket in abgelegenen Dörfern von Äthiopien unterwegs, um die Musik der dortigen Urvölker zu erforschen. Auch in Indien und China war er schon auf ähnlichen Trips.

 

„Dabei geht es nicht nur um die Musik, sondern auch um die Verbindung mit den Menschen, die so wunderbar zustande kommen kann, auch wenn man nur ein Wort sagt. Deshalb ist Gemeinschaft das Hauptthema von ,At The Edge Of Light‘, das den fürchterlichen Zustand der Welt kommentiert. Aber wenn wir Probleme wie den Klimawandel lösen wollen, müssen sich die klügsten Köpfe der Erde begegnen – egal woher sie kommen. Dann bleibt uns nur gemeinschaftliches Handeln.“

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