Belvedere

© © Belvedere, Wien

Belvedere-Ausstellung
07/11/2013

Gironcoli im Belvedere: Singulär, aber kein Einzelgänger

Keine Retrospektive von Bruno Gironcoli ist die Ausstellung "Gironcoli: Context", sondern ein Netzwerk mit neuen Aspekten.

von Werner Rosenberger

Unübersehbar am Eingang in die Orangerie im Unteren Belvedere: In Augenhöhe drehen sich teils zerteilte Tierfiguren im Kreis in Bruce Naumans „Hanging Carousel“. Ein paar Schritte weiter finden sich präparierte Hunde in einem Ensemble von Bruno Gironcoli. „Tiere als Sinnbild für die geschundene Kreatur“, so Kuratorin Bettina M. Busse, sind ein Aspekt der Schau „Gironcoli: Context“. Sie stellt – wie zuvor bei Friedensreich Hundertwasser – auch beim 2010 verstorbenen Bildhauer Querverbindungen zu zehn Kollegen her – vom Vertreter der Minimal Art Carl Andre bis zum „Passstücke“-Fabrikanten Franz West.

Frühwerk

Denn so „singulär und rätselhaft“ die künstlerische Praxis auch gewesen mag, als „künstlerischen Einzelgänger“ sieht Belvedere- Direktorin Agnes Husslein-Arco den gebürtigen Villacher keinesfalls. „Diese Ausstellung ist so wichtig, weil man seine Qualität jetzt mit ganz anderen Augen sehen kann.“

So wird der Blick bewusst vor allem auf sein Frühwerk gelenkt. Der gelernte Goldschmied, der ursprünglich Maler werden wollte, interessierte sich – unter dem Einfluss von Alberto Giacometti – ab den 60er-Jahren für die Skulptur.

Er konzentrierte sich auf wenige Themen. Nur in ihrer Gewichtung und im Zusammenspiel verschieden, waren die Konstanten: Verletzung – Folter, Angst – Sexualität, Ritual – Obsession, Fetisch – Geschlecht, Vater – Mutter – Kind.

Als Teil einer internationalen Bewegung hat Gironcoli in engem Austausch mit Aktionisten und Performancekünstlern agiert: Da passt Rudolf Schwarzkoglers inszenierte Foto-Dokumentation seiner Hochzeits-Aktion aus dem Jahr 1965 ebenso ins Gesamtbild wie die Fotosequenz „Self Performance“ (1972–’73) von Jürgen Klauke. Der hat bereits Ende der 60er-Jahre die konventionellen Geschlechterrollen radikal infrage gestellt und seinen Körper als Projektionsfläche multipler Identitäten und Geschlechter in die Kunst eingeführt.

Der Jüngste der ausgestellten Künstler, Matthew Barney, setzt sich in seinen surreal anmutenden Filmen in einer von ihm geschaffenen extremen Kunstsprache ebenfalls mit der Identität der Geschlechter auseinander.

Eine „Seelenverwandte“ Gironcolis in Themenwahl und Motivation ist Louise Bourgeois, die meinte: „Der Sinn der Bildhauerei ist die Selbsterkenntnis.“ In Mythen und in Märchen lässt sich oft ein Schlüssel zu ihrem Werk finden, vielleicht auch zur „Arched Figure“ (1993) in der Orangerie. Gironcoli eint mit Bourgeois die lebenslange Beschäftigung mit dem Thema „Mutter“.

Überraschend sind vielleicht die Vernetzungen mit Joseph Beuys, dessen soziale Plastiken und Performances den jungen Gironcoli beschäftigten. Oder der Bezug zu Francis Bacon: Auch bei dessen Porträt der Henrietta Moraes „geht es um die Darstellung des leidgeprüften Individuums“, so Busse.

Drei Monumental-Skulpturen Gironcolis sind Open Air im Kammergarten aufgestellt, „wo sie mit den fantastischen Barockschlössern in Interaktion treten können“, so Husslein-Arco .

Skulptur im Kontext

Gironcoli: Context“
36 Exponate: Andre | Bacon | Barney | Beuys | Bourgeois | Brus | Klauke | Nauman | Schwarzkogler | West

Wann und Wo: Bis 27. Oktober 2013 Orangerie (Unteres Belvedere, 3., Rennweg 6); täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21 Uhr; regulärer Eintritt: 11 €; Katalog: 36 €;

www.belvedere.at

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