Brasilien poetisch – mit Weltstar Gilberto Gil im Konzerthaus

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Ein Fixstern des südamerikanischen Klang-Kosmos
11/04/2014

Ein Fixstern des südamerikanischen Klang-Kosmos

Tropicalismo-Legende Gilberto Gil zeigte im Konzerthaus das verspielte Brasilien – sonnendurchflutet und verträumt.

von Werner Rosenberger

Ein Mann, zwei Gitarren und ein spontan jubelndes Publikum, noch ehe er einen Ton gespielt hat: Gilberto Gil Montag im Wiener Konzerthaus. In dem war er zum ersten Mal 1969 im Vorprogramm von Sérgio Mendes.

Er ist einer der Väter des Tropicalismo, einer brasilianischen Musikbewegung, die nicht nur die Musik erneuerte. Der Tropicalismo, auch kultureller Protest gegen die Militärdiktatur in Brasilien ab 1964, verband Rock mit Bossa Nova, dem Easy-Going-Sound, der in den 60ern in Brasilien populär war.

Auftritte des ehemaligen Musik-Rebellen Brasiliens sind Südamerikareisen für die Ohren. Die Akustikversionen seiner populärsten Lieder: intim und intensiv. Fantasievoll und poetisch.

Gil, Erneuerer der brasilianischen Musik seit den 1960er-Jahren, hat schon früh Baião, Bossa Nova, Samba mit Rock, Blues und Jazz, Rock und Reggae, afrobrasilianische Töne und Folklore mit feinsinniger Poesie geeint. Und für Veränderungen gekämpft. Auch politisch.

Pionier

Der Pionier der Musica Popular Brasileira – diesmal solo – glänzt mit unbeschwerter Eleganz. Zuerst kitzelt seine samtig-tief schnurrende Stimme die Ohren: tief. Zart. Einprägsam.

Jedes Wort verständlich. Für alle, die Portugiesisch verstehen, sowieso. Die anderen spüren’s, haben Samba und Bossa Nova im Gefühl.

Bei elegisch-gefühligen Balladen präsentiert sich Gil als Meister unkitschiger Melodien. Er zeigt die verspielte Seite seiner Heimat, sonnendurchflutet und verträumt. Und singt Songs u. a. von Antonio Carlos Jobim, Vinícius de Moraes und João Gilberto. Er erinnert mit "No Woman, No Cry" an Bob Marley, mit dessen Reggae-Klassiker Gil bereits 1977 in der portugiesischen Version einen Hit hatte, weil er Marleys Beschreibung von der Unterdrückung des Volkes durch Verschleppung und Gefangennahme auf die Militärdiktatur in Brasilien in den 70er- Jahren übertragen hat. Und er erzählt alte und neue Geschichten, die das eingeweihte Publikum im Chor mitsingt.

KURIER-Wertung:

INFO: Das nächste Konzert der neuen Reihe "Art of Song": Zaz am 2. 12.www.konzerthaus.at

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