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Kultur Geschichten mit Geschichte
12/09/2018

Weihnachten anno dazumal: "Man freute sich über jeden Schmarrn"

Fünf Prominente erinnern sich. Welche Geschenke es zu Weihnachten in ihrer Kindheit gab.

von Georg Markus

Auf den ersten Blick hat sich nicht viel geändert. Weihnachten mit Christbaum, Sprühkerzen, Lametta, Karpfen und Lebkuchen. So wird der Heilige Abend seit vielen Generationen gefeiert. Und doch ist alles ganz anders, die Geschenke hatten in schweren Zeiten vor allem „praktisch“ zu sein, wo heute Handy und Laptop stehen, lagen oft nur ein Paar warme Handschuhe, Lebensmittel, Holzspielzeug. Fünf Prominente erinnern sich an Weihnachten anno dazumal.

  • Elfriede Ott (Jahrgang 1925)

"Ich feiere Weihnachten heute genauso wie in meiner Kindheit, da hat sich nicht viel verändert – außer dass ich jetzt mit Freunden feiere statt mit Familie. Das schönste Geschenk, das ich je an einem Heiligen Abend bekommen habe, war ein kleiner schwarzer Pudel namens Musel, da war ich 15 Jahre alt."

"Weihnachten war für meinen Bruder und für mich immer etwas ganz Besonderes, auch wenn die Zeiten noch so schlecht waren. Kinder können sich über die einfachsten Dinge freuen."

  • Peter Weck (1930)

"Ich hatte nur den einen großen Wunsch an das Christkind: Ich wollte eine Modelleisenbahn. Doch das war damals, während des Krieges, ein Ding der Unmöglichkeit. Mein Vater wollte mir dennoch die Freude machen und hat seinen Wintermantel verkauft, um von dem Erlös eine Eisenbahn zu besorgen. Als sie dann unter dem Christbaum stand, war ich sehr enttäuscht."

"Ich hatte mir nämlich eine kleinspurige Bahn von Märklin gewünscht, habe jedoch eine mit großer Spur bekommen. Viel später, da war ich längst schon erwachsen, hab ich mir dann die Freude gegönnt und mir selbst eine kleinspurige Eisenbahnanlage gekauft."

  • Harald Serafin (1931)

"Weihnachten in meiner Kindheit in Litauen war geprägt von unvorstellbarer Kälte, wir hatten bis minus 40 Grad Celsius. Das Fest feierten wir auf dem Bauernhof meiner Großeltern in der Nähe von Vilnius. Die Geschenke waren ganz auf die Temperaturen ausgerichtet, wir bekamen Pelze, riesige Kappen, Felle, man dachte vor allem an das Wohlbefinden in dieser Kälte."

"Nach dem Essen und der Bescherung haben wir uns das alles angezogen und sind tief vermummt mit Schlitten in die protestantische Kirche gefahren, in der mein Großvater an der Orgel saß und ich bei der Messe mitgesungen habe. Neben den Kleidungsstücken gab es auch einfaches Holzspielzeug, wobei ich mich immer ein bisschen benachteiligt fühlte, da ich am 24. Dezember Geburtstag habe. Während die anderen zwei Mal im Jahr beschenkt wurden, gab’s das bei mir nur einmal."

  • Lotte Tobisch (1926)

"Ich war vier oder fünf Jahre alt. Am Tag vor dem Heiligen Abend durfte ich nicht in den Salon unserer Wohnung, weil dort das Christkind alles vorbereitet hat. Frech wie ich war, bin ich trotzdem hineingelaufen, wurde prompt von meiner Mutter erwischt, die mich streng fragte, was ich da mache. Ich habe geantwortet: „Ich hab das Christkind gesehen.“ Ich hatte es wirklich gesehen! Aber ich hatte Angst, dass es mir nie wieder etwas schenken würde, weil ich mich gegen die Anweisungen verhalten habe. Da hat meine Mutter gesagt: „Fürcht dich nicht, das Christkind ist gekommen, um zu verzeihen und nicht um zu strafen.“

"Obwohl meine Familie wohlhabend war, gab es immer nur ganz einfache Geschenke. Als in meiner Kindheit als große Sensation irgendwo Fünflinge geboren wurden, gab es Fünflings-Puppen. Die hab ich dann auch zu Weihnachten bekommen. Man war damals sehr bescheiden. Heut haben die jungen Leute viel Spaß, aber wenig Freude. Wir hatten auch große Freude."

  • Otto Schenk (1930)

"Weihnachten war ein Fest der Freude und gleichzeitig der Trauer. Wir haben, wenn wir um den Baum und um die Krippe gestanden sind, viel an meine Schwester gedacht, die emigriert war, und an meine Cousins, die im Krieg waren. Zu essen gab’s auch in der schwersten Zeit Karpfen in Aspik und eine Panamatorte. Für die musste meine Mutter acht Wochen lang Eier aufsparen, denn man hatte Anspruch auf nur ein Ei in der Woche."

"Als Geschenke gab es einfaches Spielzeug und Karl-May-Bücher. Man konnte sich über jeden Schmarrn riesig freuen. Ich erinnere mich, dass mir meine Großmutter zu Weihnachten immer fünf Reichsmark geschenkt hat und ich ihr ebenfalls fünf Reichsmark. Alle haben „Stille Nacht“ gegrölt, auch der jüdische Teil der Familie, es waren ja alle getauft. Weihnachten war für uns ein Protest gegen den Nazismus, denn man hat sich zu den Feiertagen immer mit ein paar Antinazi aus der Bekanntschaft getroffen."