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Kultur Geschichten mit Geschichte
02/19/2019

Was mir Josef Meinrad über den Iffland-Ring erzählte

Eine Erinnerung. Nach dem Tod von Bruno Ganz.

Er war schon schmal und krank, als ich ihn im Herbst 1995 in seinem Haus in Großgmain besuchte. In einem Interview – es sollte sein letztes sein – erzählte mir Josef Meinrad aus seinem Leben und auch wie es kam, dass ihm der große Schauspieler Werner Krauß den Iffland-

Ring vermacht hatte.

„Ich fiel aus allen Wolken, als Krauß 1959 starb“, sagte Meinrad. „Ich hatte bis dahin nicht einmal gewusst, ob er meinen Namen kannte, ob er mich auf der Bühne je bemerkt hatte. Wir haben ein paarmal zusammen gespielt, aber nie privat geredet. Der Werner Krauß war ja hauptsächlich mit dem Oskar Werner unterwegs, die waren eng befreundet.“ Und Oskar Werner soll sich von dem Schock nie erholt haben, dass nicht er, sondern Meinrad mit dem „Ring der Ringe“ bedacht wurde.

Auf dem Totenbett

Das Tagesgespräch in Wien gipfelte in einer bösen Anekdote, die „belegen“ sollte, wie Meinrad zum Iffland-Ring gekommen sei: Als Werner Krauß auf dem Totenbett liegend gefragt wurde, wer nach ihm den Ring erhalten sollte, da sprach er mit letzter Kraft die Worte: „Mein Rat ist . . . “ – doch ehe Krauß den Namen Oskar Werner sagen wollte, war sein Leben ausgehaucht.

Wahr ist hingegen, dass Krauß schon am 3. Dezember 1954 bei der Bundestheaterverwaltung schriftlich deponiert hatte: „Ich habe den Wunsch, dass Josef Meinrad nach meinem Tode den Iffland-Ring erhält“, da dieser in seiner Schlichtheit und Wahrhaftigkeit der Würdigste ist. „Darum bitte, nehmen Sie den Ring, tragen Sie ihn und gedenken Sie manchmal meiner, Ihr Werner Krauß.“

Der Ring sei „der teuerste Ring der Welt“, sagte Meinrad damals in Großgmain zu mir, weil er von nun an keine seichten Filmrollen mehr annehmen konnte. „Ich wusste, dass mich das Publikum jetzt noch genauer beobachten würde.“

Der Ring für den „bedeutendsten Bühnenkünstler des deutschen Sprachraums“ befände sich in einem Banksafe, erzählte Meinrad weiter. Dass er den Namen seines Nachfolgers laut Statuten nicht nennen durfte, machte die Sache spannend. Wer immer Meinrad traf, beteiligte sich an dem beliebten Spiel „Wer ist der nächste Iffland-Ringträger“?

Großes Rätselraten

Als Josef Meinrad am 18. Februar 1996, vier Monate nach unserem Gespräch, im Alter von 83 Jahren starb, setzte sofort das große Rätselraten um den Ring ein. Als von Meinrad möglicherweise nominierte Nachfolger wurden in den Medien genannt: Klaus Maria Brandauer, Helmuth Lohner, Gert Voss, Michael Heltau, Otto Schenk, Fritz Muliar, Karlheinz Hackl, Erwin Steinhauer, Robert Meyer...

Zehn Tage nach Meinrads Tod wurde dann bekannt gegeben, welchen Namen er auf ein Blatt Papier geschrieben hatte. Die Überraschung war groß, er hatte den Iffland-Ring Bruno Ganz vermacht.

Und damit dem Einzigen unter all den Großen, der in den Nachfolge-Spekulationen nicht genannt worden war.georg.markus

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