Vor der Hochzeit des Jahres: Warum die Royals faszinieren

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Auch Monarchien müssen mit der Zeit gehen, sonst müssen sie mit der Zeit gehen.

Wenn am kommenden Samstag Prinz Harry und Meghan Markle in Windsor Castle vor den Traualtar treten, dann…

… ja dann erreicht die Faszination fürs Royale einmal mehr neue Höhen. Hunderte Millionen Menschen in aller Welt werden vor den Fernsehgeräten dem „Ja“-Wort und dem ersten Kuss entgegenfiebern. Dabei hat Prinz Harry hohe Vorgaben, sahen doch vor sieben Jahren zwei Milliarden bei der Hochzeit seines Bruders William zu. Noch mehr waren’s nur, als man die Mutter der beiden, Prinzessin Diana, 1997 zu Grabe trug. Bei diesem „meist gesehenen Medienereignis aller Zeiten“ saßen 2,5 Milliarden Menschen vor den Bildschirmen.

90 Prozent für die Queen

Keine Frage, die Royals faszinieren. In erster Linie natürlich ihre britischen Untertanen, deren Queen unangefochten an der Spitze sämtlicher Beliebtheitsskalen steht. 90 Prozent der Inselbewohner sind mit ihrer Amtsführung zufrieden, das ist ein Wert, den kein anderes Staatsoberhaupt der Welt erzielt.

Selbst der Umstand, dass der ganze Pomp der Royal Family für Apanagen, Kammerdiener, die Betriebskosten ihrer Schlösser, für goldene Kutschen und Bentleys Jahr für Jahr 40 Millionen Pfund (46 Millionen €) an Steuergeldern verschlingt, schreckt die Briten nicht ab. Denn sie wissen, dass die Windsors ihr Geld wert sind. Allein der durch sie beflügelte Tourismus spült jährlich 500 Millionen Pfund (570 Millionen Euro) in die Kassen. Außertourliche Großereignisse wie die bevorstehende Prinzenhochzeit sorgen für weitere Einnahmen. Queen & Co sind also unbezahlbare Werbetestimonials.

Viel mehr dürfen sie allerdings auch gar nicht sein, da ihre Macht längst aufs Repräsentieren, Heiraten und Kinderkriegen beschränkt ist.

„Glückliche Menschen“

Was aber veranlasst die Österreicher, von denen eine verschwindend kleine Minderheit für die Wiedereinführung der Monarchie eintritt, am Samstag von 10.30 bis 15 Uhr live dabei zu sein, wenn Harry seine Meghan kriegt?

„Die Zuseher freuen sich, einmal nichts von Krieg, Terror und politischen Intrigen zu hören und statt dessen schöne, glückliche Menschen zu erleben“, meint ORF-Adelsexpertin Lisbeth Bischoff, die die Prinzenhochzeit viereinhalb Stunden lang live kommentieren wird. „Feste in herrschenden Häusern kommen der Sehnsucht, etwas Erfreuliches erleben zu dürfen, entgegen. Es sind moderne Märchen, die nicht nur von Kindern, sondern auch von Erwachsenen geliebt werden.“

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© Bild: AP/Kirsty Wigglesworth

Operettenstaaten

Weltweit gibt es heute noch rund 50 Monarchien: Von großen Kaiser- und Königreichen wie Japan und Großbritannien über Operettenländer wie Swasiland und Tonga bis zu den reichen fürstlichen Zwergstaaten Monaco, Liechtenstein und Luxemburg.

Abstieg der Dynastien

So gering die politische Bedeutung der meisten verbliebenen Monarchien – in Europa sind’s noch zwölf – heute auch sein mag, so groß ist ihr Platz in der Geschichte. Praktisch der ganze Kontinent stand einst unter imperialer Führung. Herrschten die Habsburger noch im 16. Jahrhundert rund um den Globus, so begann bald danach der Abstieg der Dynastien. Die Briten waren die ersten, die die absolute Autorität der Monarchen beendeten. Mit blutigen Schritten, die manchem König den Kopf kosteten, wurde der Thron durch eine Republik ersetzt. Zwar nur für kurze Zeit, doch blieben die wahre Macht auch nach Rückkehr der Krone der Regierung und dem Parlament vorbehalten.

In Frankreich begann die Entmachtung der Könige, als sich das Volk 1789 mit der Revolution gegen die Willkür und Dekadenz des Adels zur Wehr setzte. Zwar fand das Land wieder zur monarchischen Tradition zurück, doch die absolute Herrschaft war auch hier bald beendet. Seit 1871 ist Frankreich Republik.

Andere große Monarchien gingen in Kriegen unter: Österreich-Ungarn, Deutschland und Russland im Ersten Weltkrieg, Italien im Zweiten.

Geretteter Thron

Europas Monarchen konnten ihren Thron dann retten, wenn sie demokratische Entwicklungen zuließen und ihre moralische Autorität einigermaßen unangefochten blieb.

Die Betonung liegt auf einigermaßen, denn Skandale gehören zu den Royals wie ihre Kronjuwelen. König Edward VIII. lieferte einen der ersten großen Aufreger, als er die geschiedene Amerikanern Wallis Simpson heiraten wollte, später dann kamen die Dreiecksgeschichte Charles-Diana-Camilla und etliche andere Affären dazu.

Aufrecht wie ein Fels in der Brandung steht selbst in stürmischen Zeiten die Queen da, der man auch nach 65 Regierungsjahren nichts Gravierendes vorwerfen kann.

Royale Skandale

Auch andere Königshäuser haben ihre Skandale. Vom schwedischen König Carl Gustaf wurde 2010 bekannt, dass er im Rotlichtmilieu verkehrte. Spaniens König Juan Carlos hat viele Sympathien verspielt, seit ihm Medien vorhalten, Vater zweier illegitimer Kinder zu sein. Als auch seine Teilnahme an einer Elefantenjagd in Botswana bekannt wurde, dankte er 2014 ab.

Doch die Faszination der Royals bleibt ungebrochen. Denn die nächste Generation scheint aus den Fehlern der Alten gelernt zu haben und bringt frischen Wind in die oft verstaubten Monarchien. So macht Juan Carlos’ Sohn und Nachfolger Felipe durchaus gute Figur, ebenso der niederländische König Willem-Alexander. Aber auch Schwedens Kronprinzessin Victoria und der Britenprinz William.

Sie alle haben durch Einheirat ins Bürgertum bewiesen, dass die Ära alter Standesdünkel endgültig vorbei ist. Auch Monarchien müssen mit der Zeit gehen, sonst müssen sie mit der Zeit gehen.

Das wissen auch Harry und Meghan. Und sie wollen die Welt auch weiterhin mit ihren Märchen faszinieren.

TV Tipps:

  • schauTVDonnerstag, 17. Mai ab 17.45 Uhr „SchauLeben“: Schwerpunkt „Royal Wedding“. ORF 2 Samstag 19. Mai, 10.30 bis 15 Uhr „Harry & Meghan, Filmreife Hochzeit“, Liveberichte von Lisbeth Bischoff und Jürgen Pettinger.
( kurier.at ) Erstellt am 13.05.2018