Nie in Pension

Die Queen ist nach Mugabes Rücktritt mit ihren 91 Jahren die älteste Staatschefin der Welt. © Bild: AP/Matt Dunham

Staats- und Regierungschefs, die bis ins hohe Alter im Amt bleiben.

Herr Mugabe ist also "freiwillig", wie er es nannte, im zarten Alter von 93 Jahren als Präsident von Simbabwe zurückgetreten. Er war das bislang älteste Staatsoberhaupt der Welt, aber beileibe nicht der einzige Politiker, der sich auch im Spätherbst seines Lebens noch an die Macht klammerte. So unterschiedlich die Staats- und Regierungschefs auch waren: Konrad Adenauer war 87, als er das deutsche Kanzleramt verließ und Winston Churchill 81, als er als britischer Premier ging. Monarchen und Päpste blieben bis zum oft bitteren Ende.

Pharao mit 100 JahrenNach wie vor ungeschlagen ist Pharao Phiops II., der 100 Jahre alt wurde und bis zum letzten Atemzug auf Ägyptens Thron saß. Das bestätigt die ägyptische Königsliste, deren Angaben freilich schwer zu überprüfen sind, da der Pharao im dritten Jahrtausend v. Chr. gelebt hat.Queen Victoria trug die britische Krone, bis sie 1901 im Alter von 81 Jahren starb, und ihre Ururenkelin Elizabeth trägt sie heute noch. Sie ist nach Robert Mugabes Rücktritt mit ihren 91 Jahren die älteste Staatschefin der Welt. Doch der Unterschied zwischen den Königinnen ist gewaltig: Victoria war zuletzt halb blind und gehbehindert, litt unter Appetit- und Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen und Gedächtnisverlust, sodass sie Besucher oft mit den Namen längst verstorbener Personen ansprach.

Elizabeth II. hingegen repräsentiert ihr Land in offensichtlich geistiger und körperlicher Frische, oft an der Seite ihres ebenfalls rüstigen Prinzgemahls Philip. Allerdings lassen sich die Stellungen der beiden Königinnen kaum vergleichen, da Elizabeth über keine reale politische Macht verfügt, während Victoria in der Blütezeit des Britischen Empire formell über ein Drittel der Weltbevölkerung herrschte.RekordhalterAls längstdienender Monarch der Welt galt lange Zeit König Bhumibol, der 70 Jahre auf Thailands Thron saß, ehe er im Vorjahr 88-jährig starb. Tatsächlich war er zuletzt jedoch kaum noch in der Lage, seinen Amtsgeschäften nachzukommen.Kaiser Franz Joseph, der 68 Jahre regierte, erfreute sich fast bis zuletzt guter Gesundheit, war aber in seinen späten Jahren den Anforderungen eines Monarchen nur bedingt gewachsen. Was dazu führte, dass die für Österreich-Ungarn dringend notwendigen Reformen am Beginn des 20. Jahrhunderts ausblieben. Historiker bezweifeln darüber hinaus, ob Franz Joseph 1914 die Kriegserklärung an Serbien – als deren Folge die Monarchie zerbrach – unterschrieben hätte, wenn er jünger und damit möglicherweise flexibler gewesen wäre. Der Kaiser starb zwei Jahre später im Alter von 86 Jahren und hat sein Reich bis zum letzten Tag seines Lebens verwaltet.

Erfahrung, ErstarrungWie man überhaupt feststellen kann, dass Erfahrung und Kontinuität, die die Politik durchaus positiv beeinflussen können, oft durch Erstarrung beschädigt wurden. So sind die historischen Leistungen des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer und des britischen Premierministers Winston Churchill unbestritten, leider haben aber wohl auch sie den richtigen Zeitpunkt, in den Ruhestand zu treten, verpasst.

Adenauer wollte bleibenAdenauer war, als er 1949 Kanzler wurde, 73 Jahre alt. Er stellte die Weichen zum Wiederaufbau des zerstörten Landes, und doch wurde "der Alte", wie man ihn nannte, 1963 von seinen Parteifreunden zum Rückzug gedrängt, nachdem er etwa auf den Bau der Berliner Mauer durch die DDR nicht schnell genug reagiert hatte. Adenauer war, als er gegen seinen Willen das Kanzleramt verließ, 87 Jahre alt. Danach blieb er bis zu seinem Tod mit 91 Jahren Bundestagsabgeordneter, als der er seinem Kanzler-Nachfolger und CDU-Parteifreund Ludwig Erhard bis zuletzt das Leben schwer machte, indem er ihn immer wieder öffentlich kritisierte.

Churchill im AlterÄhnlich verhielt es sich bei Winston Churchill, der 1951 mit 77 Jahren noch einmal Premierminister wurde. Er konnte jedoch nicht an seine frühere Größe anschließen und weigerte sich, als ihn 1953 mehrere Schlaganfälle arbeitsunfähig machten, zurückzutreten. Churchill blieb zwei weitere Jahre in der Downing Street, ehe er 81-jährig von der eigenen konservativen Partei aus dem Amt gedrängt wurde. Doch auch er gab nicht auf, ließ sich ins Unterhaus wählen und zog sich erst mit 85 Jahren endgültig zurück. Churchill paffte weiter dicke Zigarren und starb 1965 im Alter von 90 Jahren.Ein Kuriosum am Rande: Der 1912 geborene Diktator Kim il-sung ist mit 105 Jahren immer noch Staatspräsident von Nordkorea. Und das, obwohl er seit 23 Jahren tot ist. Er ist laut Verfassung "ewiger Präsident" des kommunistischen Landes und somit nach wie vor Staatsoberhaupt. Die Geschäfte werden von seinem verhaltensauffälligen Enkel Kim Jong-un geführt.

Der älteste PapstNun ist mit dem 93-jährigen Robert Mugabe der älteste Staatschef der Welt zurückgetreten. Es gibt aber immer noch aktive Politiker, die seiner Generation angehören. Wie etwa Tunesiens Präsident Beji Caid Essebsi, der in wenigen Tagen 91 wird, oder der Emir von Kuwait, Sabah IV., der 88 Jahre alt ist. Kubas Staatschef Raul Castro ist 86, der Präsident von Kamerun Paul Biya 84, Japans Kaiser Akihito 83. Auffallend ist, dass viele Päpste in ihrem Amt weitaus älter als 80 wurden, der älteste war Leo XIII., der 1903 mit 93 Jahren auf dem Stuhl Petri starb.Was immer auf Österreichs künftige Regierung an Problemen zukommt: Ein greiser Politiker an der Spitze wird’s wohl nicht sein. Der vermutlich nächste Bundeskanzler Sebastian Kurz wäre mit seinen 31 Jahren Europas jüngster Regierungschef.

( kurier.at ) Erstellt am 26.11.2017