Kultur | Geschichten mit Geschichte
08.08.2018

„Er war immer Kuli, das war sein Problem“

Der große Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff. Er starb vor 20 Jahren

Er war eine Ausnahmeerscheinung, überragte mit seiner Schlagfertigkeit alle anderen Showmaster. Ich durfte einmal erleben, wie originell er auch im persönlichen Gespräch war. Als ich Hans-Joachim Kulenkampff am 5. Juli 1986 vor seiner Quizshow „Einer wird gewinnen“, die an diesem Abend aus dem Wiener Burgtheater übertragen wurde, zum Interview traf. „Wenn heute Abend EWG vorbei ist“, sagte er, „werde ich um eine Burgtheaterpension ansuchen. Wie ich höre, ist das durchaus üblich bei Leuten, die einmal auf dieser Bühne standen.“ Und dann lachte er, wie nur „ Kuli“ lachen konnte, und fügte an: „Ich bin zwar nicht der erste Schauspieler, der hier auftritt, aber immerhin der erste Showmaster. Und das empfinde ich als eine ganz tolle Sache.“

„Er war ganz anders“

Nach „Kulis“ Tod traf ich seine Tochter Merle und seinen Sohn Kai Kulenkampff, die mir offen anvertrauten, dass ihr Vater „in Wirklichkeit ganz anders war“ als sich sein Publikum das vorstellte. Der große Charmeur war „eigentlich ein trauriger Mensch. Traurig, da er sich nicht so präsentieren konnte, wie er es wollte. Das Fernsehen war notwendig, weil er vom Theaterspielen lange nicht leben konnte. Das Fernsehen brachte Geld, er aber wollte ein großer Schauspieler sein. Doch fürs Theater war er viel zu sehr er selbst, er war nicht eine solche Schauspielerpersönlichkeit wie der von ihm so verehrte Laurence Olivier, der einfach gesagt hat, heut bin ich der, morgen der. Davon hat er oft geschwärmt, aber er war immer Kuli, das war sein Problem, das war sein konstantes Leidgefühl.“

Kulenkampff war 1921 als Sohn eines Kaufmanns in Bremen zur Welt gekommen. Neben Theaterengagements bald als Radioansager tätig, bekam er 1953 seine erste TV-Show „Wer gegen wen?“ und wurde schnell Publikumsliebling. Er drehte auch Filme und blieb dem Theater treu – ohne dort je die Erfolge zu erzielen, die er im Fernsehen hatte. Die Sendung seines Lebens war „Einer wird gewinnen“ ( EWG), die er von 1964 bis 1987 moderierte und durch die er zu einem der populärsten Deutschen seiner Zeit wurde.

„Wo ihn keiner kannte“

Gerade diese Popularität sei ihm oft lästig gewesen, sagten Tochter und Sohn. „Wir konnten nirgendwo hingehen, ohne dass er angequatscht wurde: ,Kuli, wir kennen dich vom Fernsehen.‘ Das ging ihm auf die Nerven. Um dem zu entgehen, ging er monatelang segeln. Am schönsten war’s in Irland, wo ihn keiner kannte.“

Kuli“ war mit der Kinderbuchautorin Traudl Kulenkampff ( 2001) verheiratet, mit der er drei Kinder hatte. Tochter Merle lebt als Keramikkünstlerin im Waldviertel, Sohn Kai ist Röntgenfacharzt in Wien. Sohn Till starb 1957 vierjährig bei einem Autounfall, was Hans-Joachim Kulenkampff nie verwunden hat.

Die Familie wohnte in Seeham bei Salzburg, wo „Kuli“ am 14. August 1998 seinem Krebsleiden erlag. Er wurde am Friedhof Frauenstein in Oberösterreich beigesetzt.georg.markus