Kultur | Geschichten mit Geschichte
11.04.2018

Der kongeniale Kabarett-Partner von Karl Farkas

Fritz Grünbaum. Der Streit um seinen Nachlass

Vor einem New Yorker Gericht findet derzeit, wie der KURIER gestern berichtete, ein Streit um das Erbe von Fritz Grünbaum statt. Ein Galeriebesitzer und Grünbaums Nachfahren prozessieren um zwei Schiele-Bilder aus dem Nachlass des Wiener Kabarettisten. Wer aber war Fritz Grünbaum?

Er war in der Zwischenkriegszeit das, was Karl Farkas nach dem Krieg war: der unumschränkte Herrscher des Kabaretts. 1880 als Sohn eines jüdischen Kunsthändlers in Brünn zur Welt gekommen, finanzierte er sein Jusstudium in Wien als Stegreifsprecher und war so komisch, dass man ihn nach einem Auftritt im Café Griensteidl gleich ins Kabarett Hölle im Theater an der Wien engagierte.

Die Doppelconférence

Sein Stern ging wie ein Komet auf, zumal der kleine Mann die moderne Conférence erfand. Während seine Vorgänger auf der Bühne meist billige Witze erzählten, faszinierte Grünbaum durch geistreiches Wortspiel mit aktuellen Bezügen. 1922 traf er im Simpl auf Karl Farkas, mit dem er nun die Doppelconférence schuf.

FARKAS: Ich gehe vorgestern über die Straße – ein gellender Pfiff, ein Mann in jagender Hast an mir vorbei, trägt einen Frauenhut.

GRÜNBAUM: Auf dem Kopf?

FARKAS: In der Hand! Hinter ihm die Polizei. Der Mann hatte nämlich in dieser Nacht vier Mal in demselben Modesalon einen Einbruch verübt.

GRÜNBAUM: Da hat er ja den ganzen Laden ausgeräumt?

FARKAS: Nein, einen einzigen Hut hat er gestohlen – für die Frau, die er liebt!

GRÜNBAUM: Warum musste er wegen eines einzigen Hutes vier Mal einbrechen?

FARKAS: Sie hat ihn immer wieder zurückgeschickt – umtauschen!

Neben seiner Arbeit fürs Kabarett drehte Grünbaum Filme, schrieb Theaterstücke, Revuen und 40 Textbücher für Operetten, die von Ziehrer, Le hár und Kálmán vertont wurden. „Die Dollarprinzessin“ mit der Musik von Leo Fall ist sein bekanntestes Werk, das Robert-Stolz-Lied „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ und „Ich hab das Fräul'n Helen baden sehen“ sind seine größten Schlager.

Dass es nix zu lachen gibt

In den 20er-Jahren war Grünbaum in Wiener und Berliner Kabaretts die absolute Nr. 1. Je schwerer die Zeiten waren, desto größer die Sehnsucht der Menschen, sich zu unterhalten: „Ein Conférencier“, sagte er, „ist einer, der dem Publikum möglichst heiter zu erklären versucht, dass es heutzutag nix zu lachen gibt.“

Grünbaum und seine Frau Lilly wurden sofort nach dem „Anschluss“ verhaftet. Er starb am 14. Jänner 1941, 60 Jahre alt, im KZ Dachau, seine Frau ein Jahr später im KZ Maly Trostinec.

Grünbaum hat mit seinem durch Tantiemen und Auftritte erworbenen Vermögen eine große Kunstsammlung aufgebaut, zu der Werke von Schiele, Kokoschka u. v. a. zählten. Um zwei Schiele-Bilder dieser Sammlung läuft jetzt, 77 Jahre nach Grünbaums Tod, ein Berufungsverfahren. georg.markus