Kultur 05.12.2011

Gerechtigkeit für die Buntstiftzeichnung

Die Ausstellung "Albertina Contemporary" zeigt bis zum 13. November unterschiedlichste Neuerwerbungen der Albertina.

Als Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder 2010 erklärte, dass er zu seinem 55. Geburtstag recht viele Geschenke von Künstlern an das Museum erwarte, wurde er von manchen belächelt. Dabei hatte er Grund zur Hoffnung: In "Albertina Contemporary - Gerhard Richter bis Kiki Smith", einer Präsentation von Neuerwerbungen (bis 13. November), finden sich tatsächlich einige Jubiläums-Donationen. Die imposanteste, Franz Gertschs "Schwarzwasser" (1990/91), bekam das Museum bereits zu Schröders 50er: Es ist ein riesiger dreiteiliger Holzschnitt, der eine gekräuselte Wasseroberfläche zeigt.

Zwei Gesichter

Kenton Nelson: Gemälde „Riveted“ (2008) aus der Sammlung Batliner
© Bild: Albertina, Wien, Sammlung Batliner, © Kenton Nelson

Hier - und in Werken wie Adriana Czernins monumentalen Buntstiftzeichnungen und Raymond Pettibons grotesken Cartoons - zeigt sich die Bandbreite, die in der Gegenwartskunst heute auf dem Medium Papier möglich ist.

Doch die Schau demonstriert auch die zweigesichtige Sammlungspolitik des Museums, die kaum Überschneidungen zwischen "Privat" und "Staat" kennt: Einige der wertvollsten Arbeiten sind (Dauer-)Leihgaben privater Mäzene, die lieber in Malerei und Skulptur statt in Grafik und Fotografie investieren.

Die Sammlung Batliner, die seit 2007 das öffentliche Gesicht der Albertina stark prägt, hat viel Künstlerfürstenkunst in den Hallen des Bundesmuseums geparkt: So ist Georg Baselitz u. a. mit großformatigen "Remix"-Bildern (Variationen früherer Werke) vertreten, Jörg Immendorff verewigte seine Künstlerfreunde als "Unmögliche Familie" in Pappmaché.

Ebenso zu sehen ist das bisher teuerste Gemälde einer lebenden österreichischen Künstlerin: Maria Lassnigs "Mit einem Tiger schlafen" (1975), 2007 um 280.200 Euro versteigert, findet als Leihgabe der Österreichischen Nationalbank ebenfalls Platz in der Schatzkammer des Museums. Wo Lassnig und die deutschen Großmaler eine gewisse Tradition im Haus haben, wirken große Namen wie Damien Hirst vor allem deshalb bedeutend, weil man um ihren Marktwert weiß.

Die Albertina selbst kauft nur Arbeiten auf Papier, betont Kuratorin Antonia Hoerschelmann. Tatsächlich sind in diesem Sektor der Schau auch die meisten Entdeckungen zu machen: Erik van Lieshouts Großformate und Zenita Komads feinsinnige Collagen, die eben noch in der Galerie Krinzinger zu sehen waren, sind würdige Neuzugänge zu Österreichs grafischer Sammlung.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011