Kultur
02/09/2021

Gedenken an Thomas Bernhard zu seinem 90. Geburtstag

Autor wurde am 9. Februar 1931 geboren und starb am 12. Februar 1989. Online-Lesungen und Gedenksendungen.

Heute, Dienstag, j├Ąhrt sich der Geburtstag von Thomas Bernhard zum 90. Mal - zwei Jahre nach seinem 30. Todestag schon wieder ein "rundes Bernhard-Jubil├Ąum", das Anlass f├╝r Gedenksendungen, w├╝rdigende Zeitungsartikel, Neuerscheinungen und Rundfragen gibt. Und weiterhin lautet der Tenor: Sein zu Lebzeiten von manchen Skandalen ├╝berschattetes reiches Werk ist ungebrochen aktuell.

Das Burgtheater gedenkt mit einer heute startenden Online-Reihe, bei der von Ensemblemitgliedern gelesene Texte von und ├╝ber Thomas Bernhard auf der Website des Burgtheaters und auf dessen YouTube-Kanal ver├Âffentlicht werden. Am 17. Februar folgen einzelne Szenen aus Lucia Bihlers "Jagdgesellschaft"-Inszenierung, deren Premierendatum angesichts der Pandemie nach wie vor nicht feststeht. Das Landestheater Linz l├Ądt heute zur YouTube-├ťbertragung eines Vortrags des Bernhard-Biografen Manfred Mittermayer. Anschlie├čend lesen Alexander Julian Meile und Christian Taubenheim aus dem Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und seinem Verleger Siegfried Unseld. Auch im Kulturradio ├ľ1 gibt es einige Sendungen, etwa heute um 11.05 Uhr: Die "Radiogeschichten" bringen eine Archivaufnahme aus den 60er-Jahren, in der Thomas Bernhard selbst aus seinem Werk "Ereignisse" liest.

Thomas Bernhard wurde am 9. Februar 1931 in einem Heim f├╝r ledige M├╝tter im holl├Ąndischen Heerlen geboren - was laut Bernhard Minister Piffl-Percevic bei der Staatspreis-Verleihung zur f├Ąlschlichen Behauptung gebracht hatte, er sei "ein in Holland geborener Ausl├Ąnder". Dabei war seine Mutter Herta Bernhard extra vor├╝bergehend nach Holland ├╝bersiedelt, um dem Gerede der Leute zu entkommen, aber auch der besseren Arbeitsm├Âglichkeiten wegen. Bereits nach wenigen Monaten kam der Bub zu den Gro├čeltern in Wien in Pflege. Im Fr├╝hjahr 1935 ├╝bersiedelte er mit ihnen nach Seekirchen am Wallersee. Seinen Vater, der 1940 starb, lernte er nie kennen.

Die traumatische Kindheit findet sp├Ąter in seinen f├╝nf autobiografischen B├╝chern ("Die Ursache. Eine Andeutung", "Der Keller. Eine Entziehung", "Der Atem. Eine Entscheidung", "Die K├Ąlte. Eine Entziehung", "Ein Kind") ihren Niederschlag. 1948 begann die Krankengeschichte Thomas Bernhards mit einer Erk├Ąltung. Er wurde mit Lungenentz├╝ndung in das gleiche Spital eingeliefert, in dem auch sein geliebter Gro├čvater, der Dichter Johannes Freumbichler, lag und sp├Ąter starb. F├╝r den Enkel begannen langwierige Aufenthalte in Krankenh├Ąusern und Lungenheilst├Ątten, eine Lungentuberkulose kam hinzu. Sp├Ąter war es eine Immunerkrankung, die in Bernhards letztem Lebensjahrzehnt eine starke Medikation notwendig machte.

1957 schloss er ein Regiestudium am Mozarteum erfolgreich ab und verbrachte in den Folgejahren im Kreise anderer junger K├╝nstler viel Zeit am K├Ąrntner "Tonhof" des Ehepaars Lampersberg. Sein erster publizierter Roman, "Frost", brachte 1963 den Umschwung. Er wurde von dem renommierten deutschen Insel Verlag angenommen und ein durchschlagender Erfolg. Dies erm├Âglichte ihm den Kauf des Vierkanthofes in Ohlsdorf, in dem der aus ├Ąrmlichen Verh├Ąltnissen Stammende nach eigenem Geschmack eine herrschaftliche Existenz simulierte.

Sein zweiter Roman "Verst├Ârung" und der Eklat bei der Staatspreisverleihung 1968 festigten nachhaltig Thomas Bernhards Ruf. 1970 begann mit der Urauff├╝hrung seines ersten St├╝ckes "Ein Fest f├╝r Boris" in Hamburg die kontinuierliche Theaterarbeit Bernhards, die 18 abendf├╝llende St├╝cke und einige Dramolette hervorbrachte, sowie seine lebenslange Zusammenarbeit mit dem Regisseur Claus Peymann. Sein Sinn f├╝r das Theatralische lie├č den studierten Regisseur Bernhard 1972 nicht nur den Salzburger "Notlichtskandal" entfachen, sondern auch zwei Jahre sp├Ąter mit Unterrichtsminister Fred Sinowatz ├╝ber die Burgtheaterdirektion verhandeln.

Die 70er und die erste H├Ąlfte der 80er Jahre waren ungemein produktive Schaffensjahre, in denen ein gewaltiges Werk entstand, das in den Romanen "Alte Meister" und "Ausl├Âschung" sowie in den Dramen "Der Theatermacher" und "Heldenplatz" gipfelte. Nach dem Tod seines "Lebensmenschen" Hedwig Stavianicek 1984 k├Ąmpfte Thomas Bernhard zunehmend mit schweren gesundheitlichen Problemen.

1984 war auch das Jahr der Aufregungen um seinen Roman "Holzf├Ąllen. Eine Erregung", in dem sich das Ehepaar Lampersberg wiedererkannte. Lampersberg ging gerichtlich gegen die Verbreitung des Buches vor, das daraufhin konfisziert wurde. Vier Jahre sp├Ąter gingen im Zuge der "Heldenplatz"-Premiere am Burgtheater erneut die Wogen hoch. Die Urauff├╝hrung des St├╝ckes am 4. November 1988 wurde zu einem Triumph f├╝r Bernhard und Peymann. Der bereits gesundheitlich schwer angeschlagene Dichter nahm an der Seite des Regisseurs den Applaus entgegen - ein Moment, der Theatergeschichte geschrieben hat. Wenige Wochen sp├Ąter war Thomas Bernhard tot. Er starb am 12. Februar 1989 und wurde in aller Stille am Grinzinger Friedhof beerdigt. Erst nach der Beisetzung wurde die ├ľffentlichkeit informiert.

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