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Kultur
11/10/2020

Games sind die perfekte Pandemie-Kultur: Ich bin dann mal weg

Computer- und Konsolenspiele sind einer der großen Kulturgewinner der Pandemie

von Georg Leyrer

Es gibt, das kann man schon längst diagnostizieren, keinen Mangel an Pandemie-Schäden in der Kultur.

Theater, Klassik, Kinos, Popmusik, Clubkultur – sie alle sind derart schwer von den Schließungen, aber auch von damit einhergehenden Strukturveränderungen getroffen, dass auch nach der unmittelbaren Krise vieles unwiederbringlich anders sein wird.

Es gibt aber auch Pandemie-Gewinner in der Kultur.

Einer davon: das Streamingfernsehen, das sich wohl dauerhaft auch auf Kosten der Kinos in den Wohnzimmern etabliert hat.

Doch es ist eine andere Kulturform, die die Menschen auf die passendste Art durch das Jahr begleitet hat, in der die Menschen Trost und Ablenkung gefunden haben, sowie ein Gegenmittel zum machtlosen Eingesperrtsein: 2020 wird auch als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Gaming – also Computer- und Konsolenspiele – im Leben vieler eine emotionale Stützfunktion eingenommen hat.

Wegkommuniziert

Games sind eine riesige Industrie (nach einigen Kennzahlen größer als Hollywood und der Popmusikmarkt zusammen), die immer noch mit einem Renommee-Pro-blem kämpft: Aus historischen Gründen werden Games entweder als Tschinn-Bumm- Blödelei oder als sinnloser Zeitvertreib aus dem Kulturraum wegkommuniziert.

Nun hat sich dieser Kulturraum jedoch weitestgehend geleert. Und die digitalen Spiele haben sich frei gewordenen Platz erobert, den sie wohl so bald nicht mehr hergeben werden.

Das merkt man nicht zuletzt auch in den Medien: Games wurden in den Kulturteilen immer mit spitzen Fingern angegriffen. Seitdem sich aber der zweite Lockdown – ob ganz, halb, soft oder hart – durch die Länder verbreitet, hat sich das rasch gewandelt. Insbesondere jene US-Medien, die bis vor kurzem noch Film und Fernsehen besprachen, quellen nun über vor Games-Berichten.

Und ja, auch vor Games-Kritiken. Denn auch die Berichterstattung über dieses Genre kam nicht so recht aus ihren historischen Einengungen heraus: Keine Redaktion des Landes würde einen neuen Film, ein neues Album nach technischen Kriterien besprechen.

Doch bei Games gab es bis zuletzt die olympische Zahlenberichterstattung: So schnell, so hochaufgelöst, mit so viel Rechenleistung läuft das, also muss es gut sein.

Aus dieser argumentativen Verengung sind die digitalen Spiele nun wohl endgültig entflohen. Ein Faktor dabei: Sie bieten Außenwelt für Zuhause. „Animal Crossing: New Horizons“ war der Spielehit des ersten Lockdowns im Frühling; dabei gestaltet man sich seine Insel, beackert diese – und schaut bei den Inseln seiner Freunde vorbei.

Perfekt für ein emotionales Entkommen aus den eigenen vier Wänden, damit ein Sehnsuchtserfüller für Eingeschlossene.

Das ist ein Hauptfaktor des Games-Booms – und der Lohn der inhaltlichen und stilistischen Breite, die das Gaming längst hat: Man kann in Zeiten, in denen man stark eingeschränkt wird, alles sein. DJ spielen und als Cowboy durch die USA reiten.

zu Hause für Super Mario eine ganz reale Rennbahn aufbauen.

Und in Fantasy-, Science-Fiction- oder sonstwie andere Welten abtauchen.

Ich bin dann mal weg, auch wenn ich nicht wegkann.

Längst ist das Gaming auch in der Nostalgieschiene angekommen: Wer mit Kindern zu Hause sitzt, spielt die Games seiner Jugend wieder an. Und endlich gibt es auch das beste Argument für Games, das einem als Kind gefehlt hat: Wer zockt, der hält sich an die Coronaregeln.

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