© Universal/ Nils Müller

Interview
05/29/2021

Für Jan Delay gibt es ohne Unterhaltung keine Sozialkritik

Mit der CD „Earth, Wind & Feiern“ kehrt der Hamburger zu Soul- und Ska-Sounds zurück und verbindet sonnige Vibes mit Stoff zum Nachdenken

von Brigitte Schokarth

2018 saß Jan Delay im Garten seiner Eltern. Es war Ende Oktober und er schwitzte, obwohl er Shorts trug. „Da dachte ich, jetzt wird es wirklich ernst mit dem Klimawandel“, erzählt der Musiker im KURIER-Interview. „Deshalb gibt es auf dieser Platte zwei Säulen der Angst, die ihren Niederschlag finden: Die Sorge um den Planeten einerseits, und andererseits die Angst vor dem Rechtsruck, der bei uns, bei euch in Österreich und dann noch mit Trump fast überall stattfand, als hätten sich alle abgesprochen.“

Wie der Album-Titel mit seiner Anspielung auf die in den 70er-Jahren berühmte Funk- und Soul-Band Earth, Wind and Fire andeutet, kehrt der 45-Jährige damit wieder zu seinem Markenzeichen-Sound zurück und versetzt Soul und Reggae mit Hip-Hop-Elementen.

Die durchwegs aufbauende Stimmung war trotz der Themen, die der als Jan Philipp Eißfeldt geborene Hamburger in seine Texte einbaute, ein absolutes Muss: „Ich dachte, okay, ich habe Angst vor dem Rechtsruck und dem Klimawandel, aber ich will in dem Album nicht jammern, Angst machen, verärgern oder protestieren. Ich will stattdessen etwas zum Feiern, das Kraft gibt, mit der Situation um- und vielleicht sogar dagegen anzugehen.“

Das schafft Delay mit durchwegs tanzbaren Club-tauglichen Songs, humorvollen Reimen und ungewöhnlichen Blickwinkeln. So zielt „Lächeln“, ein Song, der beim ersten Hören wie eine Kritik an der Konsumgesellschaft wirkt, auf den Klimawandel ab. „Den Konsum an sich verurteile ich gar nicht“, erklärt Delay. „Ich bin Hip-Hopper und zum Beispiel bei Klamotten kann ich mich dem Konsum selbst nicht entziehen. Was ich aber verurteile, ist die Wegwerfgesellschaft. Dass sich die produzierende Wirtschaft, egal ob bei Textilien oder Technik, dahin entwickelt hat, dass alles so gebaut und gemacht wird, dass es nach einem Jahr kaputt ist und man es neu kaufen muss. Es wird nichts mehr repariert und nichts in Qualität investiert. Diese Form von Konsum ist das, was unseren Planeten umbringt.“

Auch wenn Delay politische Kritik auf „Earth Wind & Feiern“ häufig in Nebensätzen von Songs über seine Kindheit oder die Liebe zum Wasser einbaut, weil er das für überraschender und damit effektiver hält, hat er den Song „Spaß“ dann doch ganz dem Thema Rechtsruck und Pegida gewidmet.

„Ich habe mit Denyo, der auf dem Track mitmacht, schon vor langer Zeit eine Regel für uns aufgestellt, die lautet: Auch die Botschaft, die wir am allerdringendsten vermitteln wollen, kommt nicht als Song auf ein Album, wenn uns keine originelle Geschichte mit unterhaltsamen Reimen dazu einfällt. Aber als ich ,Spaß‘ fertig hatte, wusste ich: So darf das Thema auf der neuen Platte existieren.“

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