Kirchplatz in Ybbs, 1929: Atmosphäre mit sparsamen Mitteln

© © Bildrecht, Wien, 2014 / Foto: © Belvedere, Wien

Oberes Belvedere
10/21/2014

Frieren, spüren, sich erwärmen

Eine Schau würdigt Josef Dobrowsky als zentrale Figur in der Geschichte von Österreichs Malerei.

von Michael Huber

In dem Schwarz-Weiß-Film, der in einer Ecke der Ausstellung über den Schirm flimmert, sitzt Josef Dobrowsky mitten im Schnee – mit Schal, Hut und Hubertusmantel ist der Maler, zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 67 Jahre alt, in die Arbeit an der Staffelei vertieft. "Man kann keine Winterlandschaft durch ein Fenster malen", hatte der Künstler einmal gesagt. "Denn man muss dabei frieren."

In der Tat ist es so, dass Dobrowskys Bilder in der Lage sind, die Kälte eines Winters zu kommunizieren; ebenso scheint die Wärme von Sonnenstrahlen, die auf die Stützpfeiler einer Kirche fallen, oder die Luft eines Tags an den Ufern der Donau direkt aus manchen Bildern herauszuströmen.

Bilder aus der Ausstellung im Belvedere

Gefühl und Analyse

Die Ausstellung "Josef Dobrowsky – Wahrnehmung und Farbe", mit der das Belvedere seine Bestände des Malers in den Fokus rückt, schickt sich dazu an zu zeigen, dass solche Eindrücke keine bloße Gefühlsduselei sind. Denn Dobrowsky (1889 – 1964), so wird auch anhand von Notizblöcken und Skizzenbüchern in der Schau klar, war ein analytisch denkender Mensch, der die Wirkungen von Farben und Formen exakt erforschte.Werke Alter Meister analysierte der in Böhmen geborene Künstler ebenso wie Wetterphänomene – so wusste er,welche Effekte er mit welchen Mitteln erzielen konnte.

Wie die Zusammenschau von Werken im Belvedere zeigt, fiel daher auch der Malstil Dobrowskys unterschiedlich aus, abhängig davon, welchen Sujets er sich widmete: In den Porträts, etwa einem "Damenbildnis" von 1928 oder einem Selbstbildnis von 1936, scheinen die dargestellten Körper ein fast greifbares Volumen zu entwickeln. In manchen Landschafts- und Architekturbildern dagegen, etwa der "Landschaft mit Mauer" (1930) oder "Häuser aus dem Egerland" (1930), wird jede Tiefenwirkung verweigert, die Bilder sind mit satten Farbflächen komponiert.

Reiches Oeuvre

2500 Gemälde und rund 10.000 Papierarbeiten schuf Dobrowsky, am Kunstmarkt sind viele davon öfters anzutreffen. Dass dem Künstler heute kein solcher Status zukommt wie etwa seinem Ex-Studienkollegen Egon Schiele, mag auch an der Vielgestaltigkeit seiner Bilder liegen: Ein "Markenzeichen" erkennt man nicht sofort. Dass Dobrowsky traditionellen Motiven – Landschaften, Porträts, Stillleben – verbunden blieb, lässt ihn auch weniger "radikal" erscheinen als manch anderen Künstler.

Doch die Schau im Belvedere macht unmissverständlich klar, dass es dem Maler viel eher um das Zusammenspiel von Farbe, Form und Leinwandfläche ging als darum, hübsche Motive abzubilden. Den nächsten Schritt – in die Abstraktion – sollten dann Dobrowskys Schüler wie Wolfgang Hollegha oder Josef Mikl machen.

INFO: Josef Dobrowsky – Wahrnehmung und Farbe. Bis 18. 1. 2015, Oberes Belvedere;

www.belvedere. at

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