Kultur
23.09.2015

Frederick Forsyth und der kurzsichtige de Gaulle

Die Memoiren des britischen Bestsellerautors

Der englische Bestsellerautor Frederick Forsyth, der vor 40 Jahren mit dem Roman "Der Schakal" weltberühmt wurde, hat seine Memoiren geschrieben.

Jüngster Pilot der Royal Air Force war er, Kriegsreporter für die Nachrichtenagentur Reuters war er – und Geheimagent des britischen Aulandsnachrichtendienstes, zum Beispiel in Nigeria und in der DDR.

Dritter Weltkrieg

Wenn der Meister des politischen Thrillers erzählt – 77 Jahre alt ist er mittlerweile –, so erweist er sich keinesfalls als Meister des Understatements, im Gegenteil:

Fast hätte Forsyth mit seinen nächtlichen Beobachtungen in Ostberlin den Dritten Weltkrieg ausgelöst, schreibt er ...

Ein Vorfall mit Charles de Gaulle fällt aus dem Rahmen, weil er so erheiternd ist. Er soll noch mehr Publikum haben – also: De Gaulle war sehr kurzsichtig, aber zu eitel, um eine Brille zu tragen.

Und er war der vermutlich erste Politiker, der ein "Bad in der Menge" nahm. Damit trieb er die Sicherheitsbeamten in den Wahnsinn. Der Präsident war höchst gefährdet ("Der Schakal" handelt von einem Profikiller, der ihn jagt.)

Wieder einmal ließ er den Wagen anhalten, stieg aus, schob sich in die Menge. Vor einem großen Mann mit ausdruckslosem Gesicht blieb er stehen und schüttelte ihm die Hand. Dann ging De Gaulle weiter, nach ein paar Metern stand derselbe Typ vor ihm. De Gaulle, der nur einen verschwommenen Fleck wahrnahm, schüttelte erneut ...

Beim dritten Mal flüsterte der Mann: "Monsieur le President, würden Sie bitte damit aufhören? Das ist meine verdammte Schusshand!"

Es war sein korsischer Leibwächter, der unter diesen Umständen unmöglich an die Waffe unter der linken Achsel gelangen konnte.

Frederick Forsyth: "Outsider", übersetzt von Susanne Aeckerle, erschienen im Verlag C. Bertelsmann, 384 Seiten, 20,60 Euro.