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Kultur
08/04/2012

Francis Picabia in Krems

Eine verdienstvolle Ausstellung zeigt in Krems das Werk von Francis Picabia: Der Maler und Playboy spielte virtuos mit Avantgarde, Kitsch und Alltagskultur.

von Michael Huber

Man kann sich Francis Picabia als eine Art Gunter Sachs des frühen 20. Jah rhunderts vorstellen: Talentiert, attraktiv und mit einem üppigen Erbe ausgestattet, konnte es sich der 1879 geborene Künstler früh leisten, eine lukrative Karriere als Landschaftsmaler im Fahrwasser des Impressionismus kurzerhand an den Nagel zu hängen.

Picabia näherte sich bald Henri Matisse und den "Fauves" an, begeisterte sich für die Ideen der Dadaisten, um auch mit ihnen rasch wieder zu brechen. Er reiste nach New York und ließ sich später an der Côte d’ Azur nieder, wo er gern mit Picasso baden ging und elegante Sommerfeste veranstaltete.

 

Das Werk, das auf diesem einmaligen Zickzackkurs entstand, ist nun in der Kunsthalle Krems erstmals in einer repräsentativen Auswahl in Österreich versammelt (bis 4. 11., www.kunsthalle.at) . Die von Hans-Peter Wipplinger kuratierte Schau zeigt, dass Picabia weit mehr war als ein Adabei der Avantgarde: Seine bildnerischen Ideen, aber auch seine enorme Produktivität zeugen von einem wachen, unruhigen Geist, der ständig auf der Suche nach Neuem und Ungewohntem war.

Am bekanntesten ist Picabia heute einerseits durch seine dadaistischen "Maschinenporträts" , in denen er – u. a. inspiriert von seinem Freund Marcel Duchamp – Gesichter und Körper durch mechanische, oft sexuell konnotierte Gegenstände darzustellen versuchte. Andererseits erlangte er mit seinen um 1930 gemalten "Transparences" Berühmtheit: Dabei überlagerte Picabia mehrere Motive in einem Gemälde und bediente sich hierfür gern bei Vorlagen aus der europäischen Kunstgeschichte und der Antike.

Die Arbeit anderer Schaffensphasen brachte nicht nur die Zeitgenossen Picabias ins Grübeln: Die lieblichen Porträts spanischer Schönheiten, die mit Hingabe aus Männermagazinen abgemalten Frauenakte und die mit übersteigerten Farben gestalteten Porträts und Selbstbildnisse (mit Schoßhündchen!) können im Verständnis der modernen Avantgarde nur als Affront aufgefasst werden. Einige aalglatte Bilder brachten Picabia sogar den Vorwurf der Faschismusnähe ein.

Mitläufer?

Dass der Unangepasste den Kitsch gezielt zur Provokation nutzte, liegt jedoch auf der Hand. Heute beziehen sich zahllose Künstler auf Picabia, und vom so genannten "bad painting" bis zur Pop Art darf der 1953 verstorbene Avantgardist als Ahnherr gelten. Indem die Ausstellung Picabias stilistische Bocksprünge retrospektiv als "postmodern" abfeiert, erschwert sie allerdings auch einen differenzierten Blick: Beileibe nicht alles, was hier versammelt ist, verdient auch einen Platz im Kanon der Kunstgeschichte. Die Möglichkeit, einmal die volle Breite von Picabias Werks zu sehen, ist trotzdem enorm wertvoll.

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