Kultur
27.04.2018

Fotografin Elina Brotherus: Starke Emotionen, strenge Form

Eine Ausstellung im KunstHausWien zeigt das schonungslose Werk der finnischen Künstlerin.

Ein hartnäckiges Klischee schreibt den Bewohnern Finnlands einen Hang zur Schwermut zu. Doch die aus Helsinki stammende Elina Brotherus (*1972) ist angeblich gar nicht so traurig, wie sie in vielen Bildern, die bis 19.8. im KunstHausWien ausgestellt sind, aussieht. Das unterstreicht der Titel der Schau, „It’s Not Me, It’s A Photograph“: Das bin nicht ich, das ist ein Foto – beachtet doch bitte, dass Bilder stets auch Konstruktionen sind.

Brotherus macht es ihren Betrachtern dabei insofern schwer, als sie ihre eigene Biografie in einer Direktheit und Offenheit serviert, die ihresgleichen sucht. Insbesondere die Serie „Das Mädchen sprach von Liebe“ (1997 – 1999) lässt einen tief schlucken, erzählt sie doch von einer frühen, gescheiterten Ehe. Eine verzweifelte junge Brotherus liegt da weinend auf einer Matratze (das Bild heißt „I hate sex“) oder hat ihren Kopf wie in einer Schraubzwinge, gehalten von Männerhänden in Lederhandschuhen.

Die Hinwendung zu einer extrem formalisierten Bildsprache scheint da zunächst ein Gegenpol im Stilspektrum zu sein. Die Schau zeigt etwa betörende Landschaftsaufnahmen, in die die Künstlerin sich oder ihre Modelle in derselben Rückenansicht integrierte, die der Romantiker Caspar David Friedrich für sein Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) wählte. Eine andere Serie (2009) übersetzt das akademische Atelierbild ins Foto-Format: Brotherus agierte dabei zugleich als Aktmodell und – via Selbstauslöser – als Fotografin und bannte den Körper, den Malakt und dessen Resultate in ein einziges Bild.

Kein Happy End

Dass die Hinwendung zur Kunstgeschichte keine Abwendung von der biografischer Selbsterkundung bedeutet, wird aber spätestens in der Serie „Annonciation“ („Verkündigung“) offensichtlich: Die Bilder dokumentieren Brotherus’ jahrelange – letztlich erfolglose – Versuche, schwanger zu werden. Die Kinderwunsch-Erzählung, die stets positiv ende, stimmt nämlich nicht, betont die Fotografin im Wandtext. Und setzt ihr Selbstporträt mit Stinkefinger ans Ende der Serie: „Mein Hund ist viel süßer als dein hässliches Baby.“ Am Ende hat die Frau doch Witz. Irgendwie.