Kultur
05.09.2018

Föttinger bleibt Josefstadt-Kapitän: „Volle Kraft voraus!“

Theater in der Josefstadt: Der Vertrag von Herbert Föttinger wird nochmals um fünf Jahre verlängert – bis 2026.

Das einzige Requisit auf der Bühne war ein KURIER-Artikel vom 15. Mai mit dem Titel „ Föttingers Josefstadt wird zum österreichischen Nationaltheater“. Denn von den 14 Premieren in der kommenden Saison stammen zehn aus heimischer Feder. Und Herbert Föttinger, Direktor im dreizehnten Jahr, konnte bei seiner Pressekonferenz am Mittwoch nicht anders, als zuzustimmen: „Das ist der Weg, den ich gehen möchte!“

Und zwar nicht nur bis zum Sommer 2021, sondern darüber hinaus. Laut Günter Rhomberg, dem Vorstand der Josefstadt-Stiftung, sei man vor dem Sommer zur Erkenntnis gelangt: „Wir brauchen den Föttinger!“ Der Playing Captain zog sich zum Nachdenken zurück. Denn: „Ich bin eine Kraftwalze. Was ich da tue, ist nicht gesundheitsfördernd.“ Er habe sich dennoch dazu entschlossen, den Vertrag bis 2026 zu verlängern. Und er will eine dritte Bühne für Experimente realisieren, über der nicht das Damokles-Schwert des ökonomischen Erfolgs hänge.

Die „Josefstadt-Box“ für 49 Personen soll im Haus eingerichtet werden – an der Stelle des Abo-Büros, das Föttinger in den ersten Stock verlegen will: voll klimatisiert und behindertengerecht. Die Kosten dürften mehr als 1,5 Millionen Euro ausmachen; die jüngst von der Stadt Wien und dem Bund zugesicherte Subventionserhöhung in der Höhe von 1,65 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren werde jedenfalls nicht für die „Box“ verwendet, sie diene ausschließlich der Deckung gestiegener Personalkosten. Die Lohnanpassungen würden pro Jahr zwischen 400.000 und 450.000 Euro betragen, so Rhomberg, der Föttinger über den Klee lobte. Denn dieser habe die Josefstadt zum „leistungsfähigsten Theater des Landes“ gemacht – mit einem Eigendeckungsgrad von 40 Prozent. Auch Föttinger fand lobende Worte. Unter seiner Leitung sei das Ensemble von 26 auf 55 Schauspieler angewachsen, die Josefstadt zum „Haus der lebenden Autoren“ geworden, und die Kammerspiele böten kein „Schwanktheater“ mehr.

Die Reise der Verlorenen

Vorhaben Nummer zwei sei eben das Nationaltheater: geballte Wucht österreichischer Autoren, ohne dabei die Schotten dicht zu machen. In der kommenden Saison stünden die Themen Flucht, Ausgegrenztheit und Heimatlosigkeit im Zentrum. Heute, Donnerstag, gelangt Daniel Kehlmanns Dramatisierung „Die Reise der Verlorenen“ zur Uraufführung. Geschildert wird die wahre Geschichte der Flucht von 937 Juden im Jahr 1939 mit einem Schiff, das nirgendwo anlegen darf ...

Auf der Bühne agieren 33 Schauspieler und 20 Statisten. Föttinger selbst wird den Kapitän spielen – und den Befehl geben: „Volle Kraft voraus!“