Kultur
19.04.2018

Flüchtlings-Aktivist Ai Weiwei: Selfie mit AfD-Politikerin

Der Künstler posierte mit Alice Weidel, der Fraktionsvorsitzenden der rechten AfD im Bundestag.

Ai Weiwei, chinesischer Starkünstler und Dissident, macht viele Selfies, und er wird um viele Selfies gebeten. Doch bei allen Fortschritten auf dem Gebiet der Datenerfassung ist die AI-App, die die politisch-ideologische Ausrichtung von Selfie-Abgebildeten automatisch erfasst, noch nicht zur Marktreife gebracht worden. Da kann es da schon passieren, dass jemand ins Bild rutscht, der nicht genau auf der "Wellenlänge" des Künstlers ist.

Eben dies ist nun am Mittwochabend geschehen: Da postete Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der Rechtspartei AfD im deutschen Bundestag, ein Bild, das sie, durchaus in Fan-Pose, mit dem chinesischen Starkünstler aufgenommen hatte. Allzu genau dürfte Weidel dessen Werk zwar nicht verfolgt haben, sonst hätte sie gewusst, dass sich der Vielbeschäftigte schon seit geraumer Zeit "in der Hauptstadt" aufhält: Mit November 2015 trat der Künstler, der in seiner Heimat im Gefängnis saß und danach lange Zeit mit Ausreiseverbot belegt war, eine Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste an, er betreibt ein Studio mit zahlreichen Mitarbeitern in der deutschen Hauptstadt.

Status-Update

Doch auch Ai Weiwei dürfte den Asyl-Status seiner Selfie-Partnerin nicht so ganz am Radar gehabt haben - die Linie der AfD, die permanent gegen Asylwerber scharf schießt, verträgt sich schließlich gar nicht mit der Mission der Unterstützung von Flüchtlingen, der Ai einen Gutteil seiner Arbeit der letzten Jahre gewidmet hat.

Der Vorwurf der Oberflächlichkeit trifft den Künstler, der zuletzt etwa mit der Installation eines überdimensionalen Schlauchboots auffiel, nicht zum ersten Mal. 2016 hatte er etwa das Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt mit Schwimmwesten verhüllt, bei einer Gala zogen sich die noblen Gäste dann Isolierfolien, wie sie gewöhnlich zum Wärmen von aus dem Meer geretteten Personen verwendet werden, über ihre Smokings, was als geschmacklos kritisiert wurde.