Kultur 16.03.2012

Filmstudios "sind im Allgemeinen sehr dumm"

Hollywood-Anwalt Eric Weissmann vertrat Größen wie Scorsese, Mel Brooks und Gene Wilder. In Wien plauderte er aus dem Nähkästchen.

In der Reihe der großen Hollywood-Irrtümer dürfte dies ziemlich weit oben stehen. "Fische? Wen zum Teufel soll das interessieren?", fragte einst ein Studioboss und verzichtete darauf, für 350.000 Dollar ein Drehbuch zu kaufen. Später wurde es doch verfilmt – und als "Der weiße Hai" zu einem der bekanntesten Filme aller Zeiten. " Filmstudios sind im Allgemeinen sehr dumm", sagt Eric Weissmann mit einem Lachen.

Er muss es wissen: Seit 1957 ist er Anwalt in Hollywood. Dort hat er Größen wie Martin Scorsese, Mel Brooks, Gene Wilder und John Schlesinger vertreten.

Am Mittwoch plauderte der in Wien aufgewachsene Weissmann im Jüdischen Museum Wien aus dem Nähkästchen. Anwälte, erklärt Weissmann, fechten in Hollywood nur selten Gerichtsstreite aus. Aber sie spielen andere immens wichtige Rollen – auch in inhaltlichen Fragen. "Wenn man Kunden behalten will, hält man sich von künstlerischen Ratschlägen fern", schilderte Weissmann schmunzelnd. "Ich sage Mel Brooks nie: Diese Szene ist nicht lustig genug. Aber wir müssen sagen, was rechtlich möglich ist."

Die heikle Szene in "Taxi Driver" mit einer minderjährigen Prostituierten (Jodie Foster) etwa musste "von einem Anwalt umgeschrieben werden. Scorsese schäumte." Ein anderer Regisseur "feuerte mich sogar", sagte Weissmann. Michael Cimino hatte bei "Heaven’s Gate – Das Tor zum Himmel" das Budget überzogen. "Ich riet ihm, angesichts dessen vielleicht nicht 46 Takes für eine Szene zu brauchen", sagte Weissmann lachend.

Heikel

Doch das war nicht die heikelste Mission Weissmanns in Sachen Cimino. "Jahre später wurde ich wieder sein Anwalt. Und nur wenige Wochen später rief mich ein Tratschkolumnist an und fragte, ob es stimmt, dass Cimino sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte. Also musste ich ihn anrufen. Ich sagte: ,Das ist jetzt etwas peinlich – aber bist du eine Frau?‘"

Auch eigenartige Vertragsklauseln beeinflussen die Filme, erzählt Weissmann dem KURIER: "Das Ende von ,Casablanca‘ musste so ausfallen. Denn Paul Henreid hatte in seinem Vertrag stehen, dass er am Schluss immer die Frau kriegt."

( Kurier ) Erstellt am 16.03.2012