Betörendes Vexierspiel: David Lowerys „The Green Knight“ mit Dev Patel nimmt das Ritter-Genre auseinander

© Filmladen/Eric Zachanowich/A24 Films

Filmstarts
08/26/2021

Filmkritik zu "The Green Knight": Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen ...

Dev Patel macht als Ritter die Aufnahmsprüfung für König Artus’ Tafelrunde, Todesstrafe im Iran, Klimakatastrophe und Action mit Ryan Reynolds

Man denkt an den steinernen Gast aus Mozarts „Don Giovanni“. An den Komtur, der dem Weiberhelden das Gelöbnis entlocken will, sich zu bessern. In diesem Film stört ein hölzerner Gast das fürstliche Gelage. Mehr Baum als Mensch, in einer grün-patinierten Ritterrüstung. Er fragt die Anwesenden, ob jemand schneidig genug sei, ihm einen Schwerthieb zu versetzen. Falls er überleben sollte, würde er den Gegner am nächsten Weihnachtsabend in seiner grünen Kapelle empfangen – um ihm den gleichen Schlag zurückzugeben. Nur ein Ritter-Anwärter namens Gawain ist zu dieser Mutprobe bereit, die in Wahrheit eher ein Intelligenztest ist: Der Kopf, den der grüne Ritter vor dem Angreifer beugt, lässt sich mühelos abschlagen, doch der enthauptete Rumpf kehrt der erlauchten Tafelrunde den Rücken. Mit dem Kopf unterm Arm. Und lässt einen belämmerten jungen Mann zurück, der nun ein Jahr lang Zeit hat, sich auf den Verlust des eigenen Kopfes vorzubereiten.

Bekannt geworden ist Regisseur David Lowery mit dem Disney-Remake „Elliot, der Drache“ und mit „A Ghost Story“. Sein neuer Film ist von dem anonym überlieferten Epos „Sir Gawain and the Green Knight“ aus dem 14. Jahrhundert inspiriert.

Artus-Legende

In den Artus-Legenden kennt man Gawain eher als Nebenfigur der Tafelrunde. Parzival und Lancelot hatten offenbar mehr zu bieten. Eine Heldentat vollbrachte Gawain aber doch. Um seinen Onkel, König Artus, zu schützen, hatte er sich an dessen Stelle einem Duell mit dem Grünen Ritter gestellt.

Dev Patel, bekannt aus „Slumdog Millionär“, spielt den Gawain als erster „People-of-Colour“-Ritter. Als jugendlicher Tunichtgut, den man als erstes im Bordell erlebt. Als Bastard des Königs darf er zwar zu dessen Rechten sitzen, aber noch weiß niemand, ob er tapfer genug ist, um einen Platz an der Tafelrunde zu verdienen.

Gawain zieht also aus und erlernt zunächst einmal das Fürchten. Er irrt durch verwunschene Wälder. Vorbei an Schlachtfeldern, übersät mit Leichen, die dem werdenden Helden die Folgen eines Ritterschlags vor Augen führen. Der Film kontrastiert eine fast dokumentarisch anmutende Darstellung des mittelalterlichen Alltags mit Tableaus einer herrschaftlichen Lebensart. Untermalt von einer bisweilen atonalen Filmmusik, komponiert von Daniel Hart, gemischt mit Carmina-Burana-Chören von Carl Orff.

Der Film kommt erst genrekonform daher, wird aber zunehmend zum betörenden Vexierspiel. Dazu gehört, dass Schauspielerinnen wie Alicia Vikander zwei Rollen spielen. Er wird so zur Antithese eines klassischen Ritterfilms. Zum dekonstruktivistischen Gedankenspiel über ein ganzes Genre.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA/Irland 2021. 130 Min. Von David Lowery. Mit Dev Patel, Alicia Vikander, Joel Edgerton

Filmkritik zu "Doch das Böse gibt es nicht": Tagesordnung Todesstrafe

Kann man sich den Gesetzen und Vorschriften eines totalitären Regimes entziehen, wenn sie den eigenen moralischen und ethischen Überzeugungen zuwiderlaufen? Muss man Widerstand leisten, um eine Gesellschaft zu verändern – auch wenn man Gefahr läuft, dabei sein Leben zu verlieren?

In vier Episoden erzählt der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof Geschichten von Menschen, die in unterschiedlicher Form mit der Todesstrafe konfrontiert werden. Er skizziert Beispiele für systemimmanente Repressionen, die den Alltag von Menschen bestimmen. Er zeigt, wie sich die Todesstrafe, die im Iran zur Tagesordnung gehört, auf den Einzelnen auswirkt, ihn deformiert, eine Gesellschaft moralisch verrohen lässt. Und gibt Einblicke in die verdrängten Gewissenskonflikte seiner Protagonisten und ihren Kampf um individuelle Freiheit. Rasoulof rechnet  hart mit seiner Heimat ab, lässt aber auch seine Liebe zum Iran durchblicken.

Den Goldenen Bären der Berlinale durfte der Regisseur nicht persönlich entgegennehmen. Die Ausreise wurde ihm verweigert.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: D/CZ/Iran 2020. 150 Min. Von Mohammad Rasoulof. Mit Ehsan Mirhosseini, Kaveh Ahangar

 

 

Filmkritik zu "Reminiscence": Kriminalität in Miami nach der Klimakatastrophe

Hugh Jackman spielt Nick, einen Privatdetektiv, der  Erinnerungen lebendig machen kann. Seine Klienten werden verkabelt.  Der Trip in die  Vergangenheit wird zum 3-D-Hologramm. Auch für andere sichtbar. Eine Frau will sich nur erinnern, wo sie ihren Schlüsselbund verlegt hat. Er  findet sich im Nachtclub-Hologramm, in dem sie singt. Nick verliebt sich in sie. Doch sie taucht unter.

 Der Film von „Westworld“-Mitschöpferin Lisa Joy spielt nach einer Klimakatastrophe. Die Straßen von Miami sind knöcheltief unter Wasser. Zitate aus Hitchcock-Streifen, aus „Chinatown“, „Blade Runner“, „Strange Days“ und „Minority Report“ machen den Film zum Quizspiel. Leider bleibt er weit hinter den  Vorbildern zurück.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2021. 148 Min. Von Lisa Joy. Mit Hugh Jackman, Rebecca Ferguson, Jessica Tandy

 

 

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Filmkritik zu "Killer's Bodyguard 2": Schlagfertiger Ryan Reynolds

Der Bodygard  Bryce soll einen verurteilten Auftragsmörder zur Gerichtsverhandlung begleiten, wo er gegen einen bösartigen Diktator aussagen soll. Davor besucht Bryce noch eine Psychotherapeutin. Nachdem er durch einen blöden Fehler seinen Spitzenplatz als bester Bodyguard eingebüßt hat, soll sie ihm helfen, sein Selbstwertgefühl wieder aufzupolieren. Sie rät ihm zu einem erholsamen Urlaub auf Capri. Doch dort lauert schon ein Krimineller namens Aristoteles auf ihn, der Europa ins Chaos stürzen will.

Ryan Reynolds bietet im Film, was er kann – schlagfertige Komik und ebensolche Action. Sehenswert Salma Hayek als Gangsterbraut, die vorzugsweise die von sich allzu überzeugten Herrn der Schöpfung aufs Kreuz legt.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2021. 117 Min. Von Patrick Hughes. Mit Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Salma Hayek

 


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