Glatzkopf und Faschist: Gabriele D'Annunzio besetzt Fiume in "Fiume o Morte!"
Rijekas Bewohner spielen D’Annunzio in „Fiume o Morte!“.
Eine Blitzumfrage auf den Straßen von Rijeka ergibt: Manche haben keine Ahnung, wer Gabriele D’Annunzio war. Andere wiederum wissen es nur zu genau: „Der Faschist! Der hatte uns gerade noch gefehlt!“
Tatsächlich war Gabriele D’Annunzio, italienischer Nationalheld und Dichter, ein Faschist der ersten Stunde. Im September 1919 besetzte er mit 300 Freischärlern die Hafenstadt Rijeka – damals Fiume – und rief, entgegen der Friedensverträge für Italien, den Freistaat Fiume aus. Unter dem Slogan „Fiume o Morte!“ („Fiume oder Tod!“) etablierte er 16 Monate lang eine bizarre Besatzung.
Der kroatische Filmemacher Igor Bezinović rekapituliert das Kapitel dieser irrsinnigen Polit-Farce in seiner Heimatstadt Rijeka mithilfe deren Einwohner. Für die Hauptrolle des D’Annunzio engagierte er ein halbes Dutzend Glatzköpfe, die sich mit großer Inbrunst abwechselnd in die Rolle des Poeten werfen. Auf Grundlage originaler Film- und Fotoaufnahmen inszeniert Bezinović gewitzte Re-Enactments historischer Schlüsselmomente und legt so im Lichte der Gegenwart die Vergangenheit in all ihrer gefährlichen Lächerlichkeit frei. Unglaublich unterhaltsam und extrem lehrreich, gewann „Fiume o Morte!“ den Europäischen Filmpreis für die beste Doku.
INFO: KRO/I/SLOW 2025. 112 Min. Von Igor Bezinović. Mit Andrea Marsanich.
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